Ja, es gibt sie: Die unverbesserlichen Deutschen, die aus der Geschichte nicht lernen wollen und es immer wieder mit rassistischen Parolen und Strategien versuchen. Sie sind gegen den Islam, ohne ihn zu kennen, und wollen Deutschland so schnell wie möglich zu einer muslimfreien Zone machen. Es gibt sie in den sozialen Medien, sie organisieren sich in Vereinen und Burschenschaften, greifen Flüchtlingsheime und Moscheen an. Sie sehen Deutschland als ein Land nur für Deutsche und verweigern sich der Wirklichkeit, dass sich das Land im Zentrum Europas in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat und ihm diese Veränderung gut getan hat.

Das ist die Gruppe, die die AfD mit ihren rechtspopulistischen bis rechtsextremen Parolen anspricht und dank der sie – wie zuletzt am vergangenen Sonntag in Mecklenburg Vorpommern – über 20 Prozent der Wählerstimmen einfangen kann. Rassistische und extremistische Strömungen schaden vor allem Deutschland und dem friedlichen Zusammenleben; sie sind abzulehnen und als verwerfliche Überzeugungen ohne wenn und aber zu verurteilen, weil sie eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellen. Gerade Rassismus als eine moderne Ideologie stellt sich zudem gegen die wichtigste Errungenschaft ebendieser, nämlich dem Prinzip, dass alle Menschen gleich sind.

Nun kann der Erfolg der von den etablierten Parteien dämonisierten AfD anscheinend nicht verhindert werden. Seit ihrer Gründung am 3. Februar 2013 sind gerade mal drei Jahre vergangen und sie sitzt schon in 9 von 16 Landesparlamenten. Sie bestimmt spätestens seit Angela Merkels „Wir schaffen das“ vor einem Jahr die politische Debatte und hetzt gegen Flüchtlinge wie Muslime gleichermaßen.

Ich habe mir am vergangenen Sonntag die Berichterstattung über den Wahlausgang in der Heimat der Kanzlerin und die Kommentare dazu angeschaut. Durchgehend wurde sowohl von Wahlanalysten als auch von den Vertretern der erfolglosen Parteien im Land und Bund Merkels Flüchtlingspolitik als Ursache für das starke Abschneiden der AfD vorgeführt. Es ist zu einfach, den Erfolg der AfD über die mangelnde Lernfähigkeit von Teilen der deutschen Gesellschaft und die Merkelsche Flüchtlingspolitik zu erklären. Im Gegenteil: Ich glaube, dass es dem überwiegenden Teil der Gesellschaft und dem deutschen Staat – als einem der wenigen in der Welt – gelungen ist, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und richtige Lehren aus den Katastrophen, die sie verursacht haben, zu ziehen. Das sieht man nicht zuletzt an den vielen Millionen Freiwilligen, die den angekommen Flüchtlingen helfen.

Die AfD ist kein vorübergehendes Phänomen, das schnell von der politischen Bühne verschwinden wird. Sei ist auch keine Kleinpartei, die man unter der Rubrik „andere“ abhandeln kann. Die etablierten Parteien mögen sie langsam als eine normale Partei sehen, mit der sie in einem demokratischen Wettbewerb stehen, und sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihre Wahlstrategien für die Bundestagswahlen im kommenden Jahr auf die AfD einstellen können. Ich mache mir aber andere Sorgen. Es ist kein gutes Gefühl, zu beobachten, wie eine Partei, die offen rassistisch und anti-islamisch argumentiert, sich zunehmend etabliert und zu einem deutschen Erfolgsmodell wird. Dass gerade bei Juden und Muslimen Ängste hochkommen, ist mehr als verständlich. Nicht ohne Grund spricht Charlotte Knobloch von der Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern von „einem Albtraum“. Ja, auch ich mache mir Sorgen um den Zusammenhalt der Gesellschaft und das friedliche Zusammenleben.

Trotzdem will ich aber meinen Glauben an ein pluralistisches und demokratisches Deutschland, wie ich es seit Jahrzehnten erlebe, behalten und blicke zugleich voller Hoffnung in die Zukunft. Den demokratischen Kräften dieses Landes wird es gelingen, auch mit der Herausforderung AfD fertig zu werden.

Ich hoffe, dass ich in einigen Jahren mit derselben Zuversicht und Vertrauen auf dieses Land blicken und sagen kann, dass der Albtraum vorbei ist.