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Die vor einem Monat in der Türkei inhaftierte deutsche Übersetzerin Meşale Tolu Çorlu hat erstmals Besuch von deutschen Diplomaten erhalten. Mitarbeiterinnen des Generalkonsulats Istanbul hätten sich in einem anderthalbstündigen Gespräch davon überzeugen können, dass es Tolu den Umständen entsprechend gut gehe, hieß es am Freitag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Das Generalkonsulat werde beim türkischen Außenministerium unverzüglich den nächsten Haftbesuch beantragen.

Tolu war Anfang Mai wegen Terrorvorwürfen verhaftet worden. Anders als der Mitte Februar festgenommene deutsche Journalist Deniz Yücel, der einen deutschen und einen türkischen Pass besitzt, hat Tolu nur die deutsche Staatsangehörigkeit. Sie hatte bislang noch keine konsularische Betreuung erhalten, obwohl die Bundesregierung Zugang zu ihr gefordert hatte.

44 Deutsche in Haft

In der Türkei sind nach Angaben der Bundesregierung 44 Deutsche in Haft. Sie haben die deutsche oder die deutsche sowie die türkische Staatsbürgerschaft, wie aus der Antwort auf eine kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Özcan Mutlu (Grüne) hervorgeht. Die Zahl mit Stand vom 15. Mai erfasse Fälle von Polizeigewahrsam und Untersuchungshaft, sowie Inhaftierungen und Strafverbüßung. Außerdem sind Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 immer zahlreicher geworden. Bis Ende Mai waren nach Angaben des Straßburger Gerichtshofs 17 630 Beschwerden eingegangen. Das sind rund 5000 mehr als vor zweieinhalb Monaten. Die Zahl steige kontinuierlich, sagte eine Sprecherin. Insgesamt zwei Drittel aller Beschwerden gegen die Türkei stünden im Zusammenhang mit dem Putschversuch.