Eid al-Adha und Jom Kippur finden am gleichen Tag statt.
Eid al-Adha und Jom Kippur finden am gleichen Tag statt.

Am 10.Dhu l-Hiddscha ist die Pilgerfahrt fast vollendet und die Pilger dürfen sich ab sofort Hadschi (Männer) oder Hadscha (Frauen) nennen. Gereinigt von ihren Sünden, beginnen sie mit diesem Titel einen neuen Lebensabschnitt. Um dies zu symbolisieren, schneiden sie sich eine Strähne ihres Haares ab. Die Männer rasieren sich traditioneller Weise das komplette Haar ab. Dieser Tag ist auch für die restlichen Muslime ein besonderer Tag, denn an diesem Tag wird das Eid al-Adha, das Opferfest, gefeiert.

Warum das Ramadanfest im Volksmund Zuckerfest heißt, ist mittlerweile vielen bekannt. Doch beim „Opferfest“ ist man sich nicht ganz sicher. Dass Schafe geopfert werden, können sich die meisten erschließen. Aber welche Geschichte steckt eigentlich wirklich dahinter?

Die Muslime opfern am Tag des Eid al-Adha ein Schaf, um den Propheten Abraham zu gedenken und es ihm gleich zu machen. Abraham wurde eine göttliche Probe geschickt, die er bestanden hatte. In seinem Traum fordert ihn Gott dazu auf, seinen Sohn Ismail zu opfern. Abraham, der dazu bereit war, begab sich mit Ismail auf den Weg, um die Aufgabe zu vollbringen. Auf dem Weg dorthin versuchte der Teufel Abraham davon abzubringen. Er fragte ihn, wie er es über das Herz bringe, seinen eigenen Sohn zu opfern. Um den Teufel zu vertreiben, bewarf Abraham ihn mit sieben Kieselsteinen (was zu einem wichtigen Bestandteil der muslimischen Pilgerfahrt wurde). Als Abraham sich schließlich seiner Aufgabe widmen konnte, gebot Gott ihm Einhalt. Der Prophet hatte die göttliche Probe bestanden, indem er Gottvertrauen bewies. Daraufhin sandte ihm Gott einen Widder, den Abraham an Stelle seines Sohnes opfern sollte.

Eid al-Adha und Jom Kippur am gleichen Tag

Das besondere am Opferfest in diesem Jahr ist, dass zur gleichen Zeit der höchste jüdische Feiertag, Jom Kippur, der Versöhnungstag, stattfindet. Dass diese beiden Feste aufeinander treffen, passiert nur alle 33 Jahre. Dieser Tag soll die Menschen entsühnen und sie die göttliche Verzeihung für ihre Missetaten erlangen lassen. Es ist ein Tag der Reue, der Buße und Umkehr. Während die Muslime am diesjährigen Eid al-Adha den Tag mit Besuchen und Speisen verbringen werden, ist es für die Juden ein Fasten- und Ruhetag.

Versöhnung ist hier ein wichtiger Stichpunkt. Viel zu oft halten wir uns damit auf, uns über Dinge und Menschen zu ärgern. Wir halten uns mit unbedeutenden Kleinigkeiten auf und vergessen dabei, dass das Leben viel zu kurz ist, um Groll zu verspüren. Wir urteilen nach Religion, Ethnie oder sozialem Stand. Doch spielt es wirklich eine Rolle, ob wir Christ, Afrikaner oder Flüchtling sind? Sind wir im Endeffekt nicht alle Menschen?

Wir sind uns viel ähnlicher als wir denken!

Dass diese beiden wichtigen Feste in diesem Jahr auf einen Tag fallen, ist ein besonderes Zeichen. Es ist ein Tag, der beide Religionsgruppen auf eine bestimmte Art und Weise verbindet. Zwar werden diese Feste auf unterschiedliche Arten praktiziert, doch für beide ist es ein Tag der Barmherzigkeit, der Reue und der Vergebung. Zum Opferfest wird das geschächtete Fleisch an die Armen und Bedürftigen gespendet und an Jom Kippur beten die Gläubigen um Vergebung für ihre Missetaten. Auch für die Muslime war der gestrige Tag eine Art „Versöhnungstag“. Die Pilger beteten am Berg Arafat, damit ihnen ihre Sünden vergeben werden und den Muslimen, die an diesem Tag fasteten, wurden die Sünden des vergangenen und des kommenden Jahres vergeben. Es ist ein Zeichen, das uns daran erinnern sollte, dass ganz gleich, wie unterschiedlich wir auf den ersten Blick erscheinen, uns im Endeffekt viel mehr verbindet, als wir denken.

Ich wünsche allen Muslimen ein gesegnetes Opferfest und allen Juden ein gesegnetes Jom Kippur. Denjenigen, die an diesem Tag kein Fest feiern, wünsche ich einen wundervollen erfolgreichen Tag, an dem alles klappt, was sie sich vorgenommen haben.