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Wirtschaft

Erdoğan greift durch: Lira drastisch im Aufwind

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Die türkische Lira stand zu Wochenbeginn an den Finanzmärkten weiter mit dem Rücken zu Wand. Am Abend drehte sich der Wind. Wie nachhaltig ist der Trend?

Zu Wochenbeginn setzte die Landeswährung ihren dramatischen Sinkflug der vergangenen Wochen fort und markierte zu US-Dollar und Euro abermals historische Tiefststände. Für einen Dollar mussten am Montagvormittag bis zu 17,54 Lira gezahlt werden, ein Euro war bis zu 19,86 Lira wert. Die Verluste im Vergleich zum Stand vom Freitag betrugen jeweils etwa sechs Prozent.

Am Abend erholte sich die Währung allerdings drastisch. Die Lira legte um fast 25 Prozent wieder zu. Für einen Euro bekam man am späten Montagabend rund 15 Lira. Zuletzt zeigten die Wechselstuben etwa vor einer Woche diesen Wert. Am Dienstag setzte sich der Aufwind fort. Am Markt wurden die neuerlichen Turbulenzen mit Äußerungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vom Wochenende erklärt. Er versprach den Sparern eine Einlagengarantie. Das heißt, der Wertverlust von Lira wird durch staatlichen Zuschuss kompensiert.

Weiterhin will die Regierung der Wirtschaft helfen, sich gegen hohe Wechselkursrisiken abzusichern. Die Türkei habe weder die Absicht noch das Bedürfnis, „sich auch nur den geringsten Schritt“ von der freien Marktwirtschaft und dem aktuellen Devisenregime zu entfernen, betonte Erdoğan. Die Schritte sollten aber sicherstellen, dass die Bürger nicht ihre heimische Währung Lira in ausländische Devisen tauschen müssten. Auf diese Weise solle der weiteren „Dollarisierung“ der Wirtschaft ein Ende bereitet werden.

Was sind die nächsten Schritte des Präsidenten?

Abermals erteilte der Präsident Forderungen nach Zinsanhebungen allerdings eine klare Absage. Erdoğan zeigte sich in letzter Zeit als erklärter Gegner hoher Zinsen, da er sie nicht nur als Wachstumsbremse, sondern auch als Inflationstreiber ansieht. Letzteres steht im Gegensatz zum ökonomischen Konsens, der in Zinsanhebungen ein scharfes Schwert gegen die Geldentwertung sieht.

Die Lira hat in diesem Jahr gegenüber Dollar und Euro knapp die Hälfte ihres Werts eingebüßt. Allein seit November betrugen die Verluste bis zuletzt etwa 40 Prozent. Die herben Lira-Verluste verteuern Warenimporte in die Türkei und lasten damit auf der Kaufkraft der Bevölkerung. Mittlerweile hat sich auch der einflussreiche Unternehmerverband Tüsiad für höhere Zinsen ausgesprochen.

dpa/dtj

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