Ein mittlerweile seltenes Bild: Çağlar Söyüncü gibt im Leicester-Trikot Kommandos. Foto: Leicester City

Der türkische Nationalspieler Çağlar Söyüncü steht vor einem Wechsel zu Atletico Madrid – spätestens im Sommer, womöglich aber bereits in diesem Winter-Transferfenster.

Noch vor nicht allzu langer Zeit galt die Defensive bzw. die Innenverteidigung als Prunkstück der türkischen Fußball-Nationalmannschaft. Ozan Kabak, Merih Demiral und Çağlar Söyüncü, die in Deutschland, Italien und England unter Vertrag standen und dort zum (erweiterten) Stammpersonal ihrer Vereinsmannschaften zählten, wurde eine große Karriere vorhergesagt. Mittlerweile – und spätestens nach dem enttäuschenden EM-Auftritt der Türkei im vorletzten Jahr – ist die Zuversicht gewichen und Ernüchterung eingekehrt.

Das trifft vor allem bei Söyüncü zu. Während Kabak sich bei der TSG 1899 Hoffenheim derzeit wieder fängt und sich für größere Aufgaben empfiehlt und Demiral eine gute Rolle bei Atalanta Bergamo spielt, ist Söyüncü bei Leicester City nur noch Bankdrücker. Dabei kam er in den ersten vier Spielzeiten auf der Insel auf respektable 91 Einsätze. In dieser Saison hingegen steht in seinem Arbeitszeugnis erst ein Spiel für den aktuellen 13. der Premier League. Selbst als einem seiner Konkurrenten auf seiner Position jüngst zwei Eigentore in einer Partie unterliefen, kam der Türke, obwohl fit, im nächsten Spiel wieder nicht zum Einsatz. Was für eine Demütigung!

Marktwert stürzt von 45 auf 22 Millionen Euro ab

Söyüncüs „Vorteil“: Sein Vertrag läuft am Ende dieser Saison aus, was natürlich andere Vereine auf den Plan ruft und ihm die Möglichkeit bietet, seiner ins Stocken geratenen Karriere wieder neuen Schwung zu verleihen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das für Leicester keine gute Nachricht, da der 26-Jährige immer noch einen hohen Marktwert (22 Millionen Euro laut transfermarkt.de) hat. Hätte man ihn nach der vergangenen Saison verkauft, wäre eine Ablösesumme um die 35 Mio. Euro sicherlich im Bereich des Möglichen gewesen, da sein Wert damals als Stammspieler deutlich höher war. Nun droht im Sommer also ein ablösefreier Abgang. Oder doch nicht?

Denn Atletico Madrid, dem schon länger Interesse nachgesagt wird, könnte Söyüncü bereits im aktuellen Transferfenster verpflichten. Aktuell soll es Verhandlungen zwischen den beiden Vereinen geben. Aus Sicht von Leicester macht es Sinn, ihn bereits jetzt abzugeben und eine Transfersumme, die sich im niedrigen zweistelligen Millionenbereich bewegen dürfte, einzustreichen. Doch macht Söyüncü hier mit? Denn in der Regel gilt es als schwierig, mitten in der Saison zu einem neuen Klub zu stoßen, zumal es für ihn auch ein neues Land und eine neue Sprache wäre.

Das gilt es nun, für die Spielerseite abzuwägen. Bereits zu Beginn seiner Zeit in England tat er sich schwer, Fuß zu fassen. Der Grund laut seinem damaligen Coach: seine unzureichenden Englischkenntnisse. Bislang ist nicht überliefert, ob er in den letzten Wochen einen Spanisch-Crashkurs belegt hat. Doch eines scheint sicher: Spätestens im Sommer gehen Söyüncü und Leicester City getrennte Wege.