Nach Bombendrohung per Mail durchsucht die Polizei eine Mannheimer Moschee
Nach einer Bombendrohung per Mail durchsucht die Polizei eine Mannheimer Moschee. Foto: Dieter Leder/dpa

Zwei Polizeieinsätze, zwei unterschiedliche Vorgehensweisen. Die Mannheimer Polizei bekommt nach der Durchsuchung einer Moschee wegen einer Bombendrohung viel Lob für ihr „kultursensibles“ Handeln.

Wegen einer Bombendrohung musste die Mannheimer Yavuz-Sultan-Selim-Moschee am Freitag geräumt und durchsucht werden. Kurz vor dem für Muslime so wichtigen Freitagsgebet sei eine E-Mail an den Vorsitzenden des Moscheevereins eingegangen, in der Unbekannte mit einer Bombe drohten, hieß es seitens der Mannheimer Polizei. Diese habe nach der Alarmierung durch die Verantwortlichen das Gotteshaus räumen lassen und die Umgebung abgesperrt. Bei der Durchsuchung seien keine verdächtigen Gegenstände aufgefunden worden, sodass das Gebäude wieder freigegeben werden konnte. Das Freitagsgebet konnte wegen der Gesamtlage aber nicht verrichtet werden, die Gläubigen wichen auf andere Moscheen aus.

Die Vorgehensweise der Polizei sorgte im Nachgang für viel Gesprächsstoff. Bei der Durchsuchung sei ein Sprengstoffsuchhund einbezogen worden. Dabei sei die Polizei äußerst kultursensibel vorgegangen, sagte ein Vorstandssprecher der Moscheegemeinde. Dem Sprengstoffhund habe man Pfotenüberzieher angezogen, um den Teppich der Moschee nicht zu verschmutzen. Man sei von dieser Vorgehensweise sehr angetan gewesen, teilte der Sprecher mit.

Berliner Moschee wurde mit Stiefeln betreten

Polizeieinsätze in muslimischen Einrichtungen brachten den Behörden in jüngster Zeit immer wieder Kritik ein. So unter anderem in Berlin. Dort sorgte Ende Oktober eine Moschee-Razzia im Morgengrauen für viel Aufregung. Die Razzia fand wegen eines Verdachts auf Corona-Subventionsbetrug statt. Rund 150 Polizeibeamte waren im Einsatz. Von einer Kultursensibilität wie in Mannheim aber keine Spur: Die Beamten sollen die Moschee während des Gebets mit Stiefeln betreten und auch die Spendenbox aufgebrochen haben, obwohl die Gemeinde ihnen angeboten habe, sie mit dem zugehörigen Schlüssel zu öffnen.

Anschläge auf Moscheen nehmen zu

Die Mannheimer Moschee ist nicht zum ersten Mal von einer Bombendrohung betroffen. Zuletzt war ihr Ende des vergangenen Jahres gedroht worden.

Auch andere Moscheen sind von Drohungen oder gar konkreten Angriffen betroffen. Auf der Webseite „Brandeilig“, einer Initiative des Antidiskriminierungsverbands FAIR international, werden Fälle von Moscheeangriffen oder Drohungen zusammengetragen und dokumentiert. Demnach haben Angriffe gegen Moscheen in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Während 2014 noch 66 Fälle konkreter Angriffe registriert worden waren, sind es 2020 bereits 93. Laut „Brandeilig“ gab es in den vergangenen Tagen zudem mehrere rassistische Briefe gegen Moscheen in Hamburg, Duisburg und Spaichingen.

Muslime wünschen sich mehr Schutz

Schon seit vielen Jahren fordern Muslime mehr Schutz und ein entschlossenes Vorgehen gegen antimuslimische Angriffe. Die Bundesregierung hat erst im Frühjahr dieses Jahres eine Expertenkommission eingerichtet, die Maßnahmen gegen antimuslimischen Rassismus und Islamfeindlichkeit erarbeiten soll. Für die Linken-Politikerin Christine Buchholz reicht das nicht. Sie setzt sich für konkreteren Schutz ein. In einem Interview Anfang des Jahres sagte Buchholz, dass der Schutz bereitgestellt werden müsse, wenn danach gefragt werde.