Ein Test-Verkauf von Halal-zertifiziertem Fleisch für Muslime hat der österreichischen Lebensmittelkette Spar harsche Kritik eingebracht. Zur Wutwelle im Internet seien seit kurzem auch wüste Beschimpfungen gegenüber Mitarbeitern gekommen, sagte Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann am Donnerstag. Daher habe man sich zwei Wochen nach dem Start des Tests auch aus Rücksicht auf die Mitarbeiter entschieden, die beiden Halal-Produkte wieder aus dem Sortiment zu nehmen. In einer Facebook-Stellungnahme sprach die Lebensmittelkette von einer „überhitzten Facebook-Diskussion“ und einem Tonfall in der Diskussion, von dem sie schockiert seien.

An dem Shitstorm hätten sich Tierschützer, Menschen mit fremdenfeindlicher Gesinnung und auch selbst ernannte Konsumentenschützer beteiligt. „Als Nahversorger für alle Bevölkerungsgruppen in Österreich sind wir traurig und schockiert über den Tonfall der Diskussionen, ziehen aber unsere Konsequenzen“, teilte Spar mit. „Wir halten fest, dass es niemals Fleisch aus Schächtungen bei Spar gegeben hat. Die verwendete Halal-Zertifizierung hat immer die Betäubung der Tiere vor der Schlachtung beinhaltet.“ Einziger Unterschied zu anderen Schlachtungen sei ein Gebet, das währenddessen gesprochen worden sei.

REWE und NÖM verkaufen Halal-Produkte weiter

Für Muslime gilt die Regel, nur Fleisch von geschächteten Tieren zu essen. Dabei werden die Tiere vor der Schlachtung in der Regel nicht betäubt. In Österreich akzeptiere die Islamische Glaubensgemeinschaft aber eine Betäubung, sagte die Spar-Sprecherin. Der Halal-Verkaufstest der Supermarktkette Spar war in der muslimischen Community mit Interesse aufgenommen worden. Umso mehr sind sie nun enttäuscht. „Schade. Leider fehlt es in Österreich eklatant an Toleranz. Wie wärs mit leben und leben lassen?“, hieß es in einem der meist-gelikten Facebook-Kommentar unter dem Posting von Spar Österreich. „Dass die muslimische Gesellschaft dieses Projekt nicht nur in den sozialen Medien mit Begeisterung verfolgt hat, wissen wir von den Feedbacks, die ZAMAN Österreich erreicht haben“, schreibt die türkische Tageszeitung über die überhitzte Debatte in der Alpenrepublik. Im Gegensatz zu Spar halten die REWE-Gruppe und die niederösterreichische Molkerei NÖM AG an ihren Halal-Produkten fest. Sie sehen keinen Anlass zur Beendigung des Verkaufs.