Der polnische Papst Johannes Paul II. hat vor 35 Jahren die Türkei auf dem Tage genau am 28. November  besucht. Auch der deutsche Papst Benedikt XVI. besuchte die Türkei vor acht Jahren in einem November. Der argentinische Papst Franziskus folgt dieser Tradition und reist heute für drei Tage in die Türkei. Der Grund, warum die Päpste die Türkei immer Ende November besuchen, liegt an dem Anlass der Reise. Auch wenn der Papst als Staatsoberhaupt des Vatikans politische Gespräche führt – offiziell ist er Gast des Patriarchen der Orthodoxen Kirche, Bartholomäus II., und wird zum Abschluss seiner Reise am Sonntag an dem orthodoxen Andreasfest teilnehmen.

Papst will der christlichen Minderheit den Rücken stärken

Laut Radio Vatikan will der Papst mit seinem Besuch der christlichen Minderheit in der Türkei den Rücken stärken. In dem muslimischen Land leben ca. 50 ooo Katholiken. Dazu heißt es in dem Vatikan-Sender: Abgesehen von der Minderheitensituation gibt es natürlich für die Christen und überhaupt für alle Religionsgemeinschaften im laizistischen Staat ein Paar Stolpersteine, wenn sich ihre Lage insgesamt auch verbessert haben dürfte.“ Der Pontifex wird Gespräche mit politischen Führern sowie Religionsvertretern und Vertretern der Zivilgesellschaft führen. Weitere Themen seiner Reise ist der Dialog mit dem Islam und die Lage der syrischen Flüchtlinge.

Erstes Staatsoberhaupt, der den neuen Präsidentenpalast besucht

Das Oberhaut der katholischen Kirche wird an seinem ersten Tag das Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk besuchen. Anschließend wird es ein Treffen mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan in seinem neuen Amtssitz, im Ak Saray geben. Es ist der erste Besuch eines Staatsoberhaupts im neuen Prachtbau. Im Anschluss ist ein Zusammentreffen mit Mehmet Görmez, dem Chef der staatlichen Religionsbehörde Diyanet geplant, bevor Franziskus am Samstag als dritter Papst überhaupt eine Moschee betreten wird. Er wird dann die Sultan-Ahmet-Moschee besuchen sowie die Hagia Sophia, das derzeit als Museum dient.

Fast 10.000 Polizisten werden Papst beschützen

Die türkische Regierung hat für den Besuch des Papstes höchste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Mehr als 7.000 Polizisten werden allein in Istanbul für die Sicherheit des Pontifex sorgen, in Ankara 2.700. Zudem werden während des Besuchs Bauarbeiten eingestellt und fliegende Händler verbannt. Das religiöse Oberhaupt der katholischen Welt wird in einem gepanzerten Wagen durch die Straßen fahren.

An den Besuch sind hohe Erwartungen geknüpft. Vor Beginn seiner Reise bat der Papst um das Gebet der Gläubigen, „damit dieser Besuch (…) Früchte des Friedens, des ehrlichen Dialogs der Religionen und der Eintracht in der türkischen Nation bringt“.

Ähnlich hatte sich der neue türkische Botschafter im Vatikan, Mehmet Paçacı, vorige Woche geäußert. Die Visite werde zum Weltfrieden beitragen, erklärte der neue Botschafter zu seinem Dienstantritt.