Der türkische Verband der Goldminenbetreiber (Altın Madencileri Derneği) geht davon aus, dass die Türken zu Hause rund fünf Tausend Tonnen Gold im Gesamtwert von 209 Milliarden Dollar bunkern. Es gehört zur Normalität, dass bei festlichen Anlässen Gold verschenkt wird. In der Türkei gibt es jährlich 700.000 Hochzeiten, 500.000 Verlobungsfeiern und 300.000 Beschneidungszeremonien, schätzt Ümit Akdur, Vorsitzender des türkischen Verbandes der Goldminenbetreiber.

Gold nicht nur Geschenk, sondern auch Investment

Gold ist bei Türken nicht nur wichtig, weil es in vielen Fällen als ideales Geschenk dient. Manche sehen darin auch ein Anlage. Vor allem aber gewinnt das Edelmetall an Attraktivität, wenn die eigene Währung an Wert verliert. Zwar hat die Türkische Lira (TL) in den vergangenen Monaten an Wert gewonnen, dennoch ist der Wert in den vergangenen fünf Jahren insgesamt stetig zurückgegangen. Mitte 2012 zahlte man für einen Euro sogar unter 2 TL, heute liegt der Wechselkurs zur europäischen Leitwährung bei 2,66 TL. „Angesichts des Anstiegs des Goldpreises haben es manche vorgezogen, das Edelmetall zu verkaufen. Andere erwarten weitere Goldpreissteigerungen und kaufen deswegen weiterhin das Edelmetall“, so Akdur.

Gold ist auch in der Industrieproduktion sehr wichtig. Bei der Produktion von Handys und Computern ist das Edelmetall nicht wegzudenken. Der Verband schätzt, dass in jedem Mobiltelefon Gold im Wert von einem Dollar und in Computern im Wert von drei Dollar verwendet wird.

Türkei kann Goldbedarf nicht alleine decken

Das Land kann seinen Bedarf nicht alleine decken und ist daher vom Ausland abhängig. In den vergangenen 20 Jahren hat das Land 3.125 Tonnen Gold importiert – das sind im Durchschnitt 156 Tonnen jedes Jahr.

Zwischen 2001 und 1014 haben die türkischen Unternehmen selbst nur 200 Tonnen selbst abgebaut. „Der Goldbedarf wird zu 20 Prozent selbst und zu 80 Prozent aus Importen gedeckt“, so Akdur. Die Branche ist mit seinen rund 250. 000 Mitarbeitern zu eines der wichtigsten Wirtschaftszweige geworden. Zwar muss das Land Gold importieren, aber verarbeitetes Gold in Form von Schmuck wird auch ins Ausland verkauft.