Der in der Türkei für seine Kriminalromane bekannte Schriftsteller Ahmet Ümit bekannte in einem Interview mit der Zeitung Özgür Düşünce, dass er in der Türkei in Angst lebe. Auf die Frage danach, ob er aufpasse, keine politischen Kommentare abzugeben, damit er keine Schwierigkeiten bekomme, sagte Ümit: „Aber wenn ich gar nichts sage, dann würde das Gewissenlosigkeit bedeuten. Ich habe große Angst, wie jeder in diesem Land.“

Er führte aus: „Mir könnte etwas passieren. Ahmet Hakan haben sie zum Beispiel zusammengeschlagen. Wegen meines Berufs befinde ich mich in einer anderen Situation. Ich bin ein Schriftsteller, aber wenn Can Dündar verhaftet wird, kann ich nicht so weitermachen, als sei nichts geschehen. Ich kann nicht schweigen, wenn auf die Presse Druck ausgeübt wird.“ Er möchte zwar nicht ins Gefängnis gehen, aber wenn er für seine Haltung einen Preis zahlen müsse, dann sei es eben so.

Ahmet Ümit behandelt in seinem letzte Roman „Elveda Güzel Vatanım“ („Lebe Wohl meine schöne Heimat“) die Türkei zwischen den Jahren 1906 und 1926. Den größten Teil dieser Jahre herrschte das Komitee für Einheit und Fortschritt (İttihad ve Terakki Cemiyeti), das das Land letztlich in den Ersten Weltkrieg und in den Abgrund geführt hat. Ümit erinnerte daran, dass im Osmanischen Reich unter der Herrschaft von Abdülhamit der Druck auf die Presse zunahm und es in der Herrschaftszeit von İttihat und Terakki mehrfach Morde an Journalisten gab.

Auch nach dem Militärputsch von 1980 seien Journalisten ermordet worden. Ümit: „Heute werden Gott sei Dank keine Journalisten ermordet. Aber das bedeutet nicht, dass es nicht passieren wird. Ich habe davor Angst.“ Ahmet Ümit wurde 1960 in Gaziantep geboren. Er gilt als einer der hervorragendsten Kriminalautoren des Landes und hat mehrere Romane veröffentlicht. Drei seiner Bücher wurden ins Deutsche übersetzt.