In diesem Bild, das aus vom aserbaidschanischen Verteidigungsministerium am Sonntag, 27. September 2020, veröffentlichten Filmmaterial stammt, schießen aserbaidschanische Soldaten aus einem Mörser auf die Kontaktlinie der selbsternannten Republik Bergkarabach, Aserbaidschan. Die Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Streitkräften um die umstrittene separatistische Region Bergkarabach gingen am Montagmorgen nach dem Ausbruch am Vortag weiter, wobei sich beide Seiten gegenseitig die Schuld für die Wiederaufnahme der Angriffe zuschieben. Foto: Uncredited/Azerbaijan's Defense Ministry/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bei der Eskalation im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach spielt die Türkei offenkundig eine wichtige Rolle. Präsident Erdoğan soll verbündete Kämpfer aus Syrien in die Kaukasusregion geschickt haben. Armenien erhebt schwere Vorwürfe.

Armenien und Aserbaidschan führten ihren am Sonntag eskalierten Kampf um die Region Bergkarabach auch im Laufe des Montags fort. Zur Stunde rollen Panzerkolonnen durch die Täler der Bergregion, Drohnen und Kampfflugzeuge kreisen über den Gipfeln des Südkaukasus.

Bei den schwersten Zusammenstößen seit 2016 waren am Sonntag zahlreiche Menschen getötet worden. Armenien und Aserbaidschan streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion um Bergkarabach. Die hauptsächlich von Armeniern bewohnte Region gehört seit 1991 völkerrechtlich zu Aserbaidschan. Gleichwohl ist das Gebiet zwischen Armeniern und Aserbaidschanern umstritten.

Mitte Juli beginnen die Provokationen

Die jüngste Eskalation, die erstmals seit der Vereinbarung auf einen Waffenstillstand zu Beginn der 1990er-Jahre militärische Operationen entlang der gesamten Konfliktlinie aufflammen ließ, hatte sich angekündigt. Bereits Mitte Juli lieferten sich die Konfliktparteien nördlich der Region Scharmützel.

Energischer als zuvor unterstützte die Türkei Aserbaidschan. Ankara stehe im jüngsten Konflikt „mit allen Mitteln und ganzem Herzen“ an Aserbaidschans Seite, sagte Recep Tayyip Erdoğan in einer Rede. An Armenien richtete er in Istanbul eine klare Botschaft: „Es ist nun an der Zeit, die Krise in der Region, die mit der Besetzung von Bergkarabach begonnen hat, zu beenden. Die Region wird erneut Frieden und Ruhe finden, wenn Armenien den von ihm besetzten aserbaidschanischen Boden sofort verlässt.“

Schmuggelt die Türkei syrische Kämpfer in die Region?

Innenpolitisch kann er auf volle Unterstützung zählen – auch die der Oppositionsparteien. Im türkischen Parlament positionierten sich mit Ausnahme der linken HDP alle Parteien auf Seiten Aserbaidschans. „Wenn es um den türkischen Nationalismus geht, gibt es wenig Unterschiede zwischen den Regierungs- und Oppositionsparteien“, kommentierte der Politikwissenschaftler Ismail Küpeli den ungewöhnlichen Vorgang auf Twitter.

Dem turksprachigen Bruderstaat Aserbaidschan versprach Erdoğan bereits vor Monaten militärische Hilfe bei der Rückeroberung Bergkarabachs. Nun scheint er sein Versprechen einzulösen: Armenien, das tags zuvor den Kriegszustand ausrief, warf der Türkei am Montag vor, rund 4000 Kämpfer aus Nordsyrien nach Aserbaidschan geschickt zu haben. Die Agentur Interfax berief sich auf Informationen des armenischen Botschafters in Russland.

Moskau ist in dem Konflikt nicht unbeteiligt. Wladimir Putin steht auf Seiten der ehemaligen Sowjetrepublik Armenien. Mit Rücksicht auf Russland hatte sich Erdoğan in den vergangenen Jahren trotz militärstrategischer Abkommen mit Aserbaidschan lange zurückgehalten. Diese Zurückhaltung hat Ankara nun aufgegeben.

Bundesregierung spricht von „gefährlicher Lage“

Moskau bleibt in der aktuellen Situation indes (noch) unbeteiligt. Für Putin gibt es schlicht keinen Grund, einzugreifen. Schließlich beliefern russische Waffenschmiede beide Seiten seit Jahren mit Militärtechnik und die beiden russischen Militärbasen liegen abseits der Region.

Die Bundesrepublik nannte die neu entfachten Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan derweil eine „gefährliche Lage“. Regierungssprecher Steffen Seibert rief zu einem Waffenstillstand und sofortigen Verhandlungen auf.

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In der ersten Version des Artikels hatten wir versehentlich geschrieben, dass die Region seit 1991 zu Armenien gehört. Dafür möchten wir uns entschuldigen.