Der Türkei-Korrespondent der «Welt», Deniz Yücel, Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

An diesem Mittwoch sollte das Urteil gegen den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel gefällt werden. Doch der Prozess um den Reporter, der ein Jahr lang in einem türkischen Gefängnis einsaß, wurde überraschend vertagt. Die Hintergünde.

Es ist ruhig geworden um Deniz Yücel. Der deutsch-türkische Welt-Journalist war zwölf Monate in der Türkei inhaftiert und wirft der türkischen Regierung Folter vor. Am Mittwoch stand er mal wieder im Mittelpunkt. In Istanbul wurde das Urteil im Prozess gegen den Berliner erwartet. Die Staatsanwaltschaft fordert wegen angeblicher Propaganda für die PKK und Volksverhetzung bis zu 16 Jahre Haft für Yücel. Doch überraschend wurde der Prozess vertagt.

Staatsanwaltschaft ignoriert Verfassungsgericht

Der Fall ist auch in der Türkei brisant. Denn das türkische Verfassungsgericht hatte im Juni 2019 Yücels einjährige Untersuchungshaft für rechtswidrig erklärt. Sein Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit sei verletzt worden. Das geforderte Strafmaß zeigt, auf welch frappierende Weise die Staatsanwaltschaft das Urteil des obersten Gerichts der Türkei ignoriert.

Warum der Prozess nun unterbrochen wurde, ist für Beobachter nicht ersichtlich. Zur Begründung sagten die Richter, sie wollten das Abschlussplädoyer der Verteidigung bewerten.

Spielen die türkischen Behörden auf Zeit? Interveniert die Regierung? Wie reagiert der mächtige Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan? Fragen über Fragen, die den Fall Yücel seit jeher begleiten.

Der Fall Yücel bleibt rätselhaft