Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland immer noch an der Tagesordnung, so die Bilanz des Vorsitzenden der Deutschen Kinderhilfe bei der Vorstellung der offiziellen Statistik für 2013. Demnach wurden Kinder im vergangenen Jahr etwa 40-mal täglich Opfer sexuellen Missbrauchs.

Insgesamt wurden 14 877 Missbrauchsfälle registriert. Dies ist ein leichter Rückgang von 1,8 Prozent gegenüber 2012. Insbesondere die Zahl der Opfer unter sechs Jahren ist rückläufig: Waren 2012 noch 1957 Kinder von sexuellen Misshandlungen betroffen, waren es 2013 1303. Die Fälle körperlicher Misshandlung seien wieder im Steigen begriffen, 44% der Opfer waren dabei unter 6 Jahre alt.

In der Bundespressekonferenz sprach BKA-Chef Jörg Ziercke auch von 153 Tötungsdelikten und 4051 Fällen körperlicher Misshandlung. Das sind allerdings nur die Fälle, in denen es zu einer Anzeige kommt. Die Dunkelziffer dürfte noch wesentlich höher sein.

Auch das staatliche Kinder- und Jugendhilfesystem trage dabei Mitverantwortung, so Rainer Becker, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe. Derzeit würde nach dem Gießkannenprinzip agiert, um nur notdürftig die größten Löcher zu stopfen. „Es bedarf einer Generalüberholung, bei der nicht politische Prioritäten, sondern die Einschätzungen von Expertinnen und Experten den Rahmen vorgeben“, so Becker.  

Auf die Frage der Gewaltproblematik in Einwandererfamilien angesprochen, stellt Becker fest, dass Formen der Züchtigung wie das Reißen am Ohr oder die Ohrfeige in türkischstämmigen Familien oft nicht als Gewalt angesehen werde.

„Ganz wichtig ist, dass den türkischstämmigen Familien klar wird, Gewalt hat in der Erziehung keinen Platz“, betont Becker. „Wenn die türkischstämmigen Familien wollen, dass ihre Kinder einmal taffe Türken hier in Deutschland werden, dann sollten sie eben den Kindern ermöglichen, gewaltfrei aufzuwachsen, damit sie ein Selbstvertrauen entwickeln können.“