Die Erfolgssträhne für türkische TV-Dramen und Soaps in aller Welt hält an. Dies macht sich nicht zuletzt auch in der Beliebtheit ihrer Protagonisten fest. So haben jüngste Erhebungen in der arabischen Welt gezeigt, dass die türkische Schauspielerin Tuba Büyüküstün dort zu den beliebtesten Fernsehdarstellern gehört. In Russland werden unlizenzierte Barbiepuppen verkauft, die sie darstellen sollen. In Serbien und Montenegro gewann sie jüngst Fernsehpreise und ihre populäre Dramaserie „Asi“ wird in 67 Ländern ausgestrahlt. Die seit mehr als einem Jahrzehnt in TV-Serien auftretende Büyüküstün ist nun auch in der Kategorie „Beste Schauspielerin“ für die diesjährigen „Internationalen Emmys“ nominiert.

Türkische TV-Dramen sind im Laufe des letzten Jahrzehnts zu einem Exportschlager geworden. Wirtschaftlich wichtig und selbst politisch als Soft Power hilfreich, bilden sie und ihr Erfolg viel von den wechselnden Dynamiken in der globalen Politik ab. Die Produktionen wurden aufwändiger, die Schauspieler teurer, ebenso die Kostüme und die Setdekorationen. Nur die Geschichten blieben sehr ähnlich: melodramatisch, sich wiederholend und oftmals polarisierend.

Die Machart der türkischen TV-Dramen unterscheidet sich nur wenig von jener der lateinamerikanischen Telenovelas, die in der Türkei der 1980er Jahre noch die türkischen Bildschirme beherrscht hatten: Glamouröses Leben in den Metropolen, feudale Unterdrückung der ländlichen Bevölkerung, gefährliche Liebesgeschichten und Machtspiele – dazu der „99%“-Blick: Reiche mit zweifelhaften, Arme mit intakten Moralvorstellungen.

In den letzten zwei Jahren waren allein 15 000 Stunden TV-Materials in insgesamt 75 Länder verkauft worden, was Einkünfte von nicht weniger als 200 Mio. US-Dollar bedeutete. Im Jahre 2007 lag der Wert erst bei einer Million, im Jahre 2023 könnte es eine Milliarde sein. Die Serien laufen in so unterschiedlichen Ländern wie jenen des Mittleren Ostens, des Balkans, des Kaukasus, der arabischen Welt, Afghanistans, Pakistans oder Schwedens über die Bildschirme.

TV-Dramen auch als Tourismuswerbung

In Iran, Ägypten, Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Russland und Kasachstan wurden Formate wie „Yaprak Dökümü“ (Blätterfall), „Bir Istanbul Masalı“ (Ein Istanbuler Märchen), „Annem“ (Meine Mutter), „Gümüş“ (Silber) oder „Kurtlar Vadisi“ (Tal der Wölfe) sogar zu Prime-Time-Schlagern. Drei Viertel der Menschen in 16 Nahostländern haben bis dato bereits türkische TV-Dramen im Fernsehen gesehen.

Auch der Tourismus wird durch die Sendungen gefördert, insbesondere jener nach Istanbul. Merna Hossam, eine Social-Media-Spezialistin, meint: „Ich liebe die türkischen Serien, weil sie so romantisch sind und wegen der bezaubernden Natur – den Bergen, den Seen. Ich denke, dass diese Natur Menschen anzieht, sodass sie auch die Türkei besuchen wollen. Auch sind die Plätze so sauber und auch die Gebäude. Türkische Serien zu sehen gibt mir ein Gefühl der Ruhe und Behaglichkeit.“

Forscher Mohamed Zayed wiederum meinte, die türkischen Serien füllten gerade in der arabischen Welt eine bedeutende Lücke. Neben herausragenden Darstellungen und unterschiedlichen Plots bestechen auch die beeindruckenden Szenerien und die fantastische Musik. Vieles an Musikstücken stamme aus dem türkischen Musikkulturerbe und finde nun den Weg als Klingelton auf die Smartphones.

Beliebte Darstellerinnen in der arabischen Welt

Auch die äußere Erscheinung der Darsteller wäre sehr ansprechend. Bei einer kürzlich durch einen arabischen TV-Sender durchgeführten Wahl zur besten türkischen Schauspielerin wurde Tuba Büyüküstün Zweite – hinter Bergüzar Korel, die für ihre Rollen in den Serien „Binbir Gece“ (Tausendundeine Nacht) und „Karadayı“ bekannt ist.

Bergüzar Korel gewann – so ging es aus den Begründungen hervor -, weil sie als „Verkörperung der türkischen Frau“ gilt und vor allem der „Sittsamkeit“ und „Bescheidenheit“ ihrer Erscheinung wegen Menschen anzusprechen vermöge; Büyüküstün wurde wiederum „Natürlichkeit“ und „vornehme Schönheit“ attestiert.