Nach Beginn der Großoffensive auf die IS-Hochburg Mossul hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan auf einer Teilnahme von Truppen des Landes bestanden. „Wir werden bei der Operation dabei sein, wir werden am Tisch sitzen, es ist nicht möglich, dass wir außen vor bleiben“, sagte Erdoğan am Montag bei einer Rede auf dem internationalen Juristenkongress in Istanbul.“Sie sagen, wir sollen nicht in Mossul einmarschieren. Ja, wie sollen wir denn nicht in Mossul einmarschieren?“, fragte Erdoğan rhetorisch. „Wir haben 350 Kilometer gemeinsame Grenze [mit dem Irak], wir stehen unter Bedrohung.“

Die Notwendigkeit einer türkischen Beteiligung begründete er weiterhin mit der historischen Rolle, die Mossul für die Türkei spielt. „Für uns liegt in diesem Ort Geschichte. Wenn die Herren wünschen, sollen sie den Misak-ı Millî lesen, dann werden sie verstehen, welche Bedeutung der Ort für uns hat.“ Der Misak-ı Millî, der Nationalpakt, war das Manifest der türkischen Unabhängigkeitsbewegung unter Mustafa Kemal (Atatürk) nach dem Ersten Weltkrieg. Ihm zufogle gehört die ehemalige osmanische Provinz Mossul, die den Großteil der heutigen Autonomen Region Kurdistan im Nordirak ausmacht, zum Staatsgebiet der Türkei. Es gebe deshalb keine andere Option, als die Türkei einzubeziehen, so Erdoğan. Zugleich warnte er: „Wir sind nicht verantwortlich für mögliche Konsequenzen einer Operation, an der die Türkei nicht teilnimmt.“

In der Nacht zu Montag hatte die irakische Armee mit Unterstützung kurdischer Peschmerga eine Offensive auf Mossul begonnen, um die Stadt von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu befreien. Die sunnitisch geprägte Millionenstadt unweit der Grenze zur Türkei ist die letzte Bastion der Extremisten im Irak.

Die Türkei hat gegen den Willen der irakischen Zentralregierung in Baschika nahe Mossul Soldaten stationiert. Sie bilden dort Peschmerga und sunnitische Milizen aus. Bagdad fordert den Abzug der türkischen Soldaten und hat sich deshalb an den Weltsicherheitsrat gewandt. Erdoğan betonte am Montag erneut: „Niemand soll von uns erwarten, dass wir Baschika verlassen.“ (mit Material von dpa)