Der irakische Patriarch Louis Raphael I. Sako hat den
Westen für die Auslöschung der Christen im Nahen Osten
mitverantwortlich gemacht. „Ausländische Akteure“ hätten Demokratie
und Freiheit als Deckmantel benutzt, um sich irakische Rohstoffe
anzueignen, und dabei Chaos und Terrorismus gefördert, sagte das
Katholikenoberhaupt laut dem vatikanischen Pressedienst Fides
am Dienstag. Zugleich werde seit dem US-Einmarsch im Irak 2003
„systematisch und wohlüberlegt“ auf das Verschwinden der Christen und
anderer religiöser Minderheiten hingearbeitet.

Der Pressedienst zitierte Sako nach dem Skript einer Rede, die er auf
einer Konferenz über Rechte religiöser Minderheiten in islamischen
Ländern im marokkanischen Marrakesch halten sollte. Demnach führte
der chaldäisch-katholische Patriarch auch aktuelle Beispiele für eine
Diskriminierung von Christen im Irak an. So habe ein Richter in
Bagdad einen Christen aufgrund seiner Religionszugehörigkeit als
Prozesszeugen abgelehnt. Bauunternehmen von Muslimen weigerten sich,
Aufträge von Christen auszuführen.

Weiter berichtete Sako von Enteignungen christlicher Hausbesitzer
durch Milizen in Bagdad. Selbst in Behörden seien Aushänge
aufgetaucht, mit denen christliche Mädchen aufgefordert würden „nach
dem Vorbild der Jungfrau Maria“ ihren Kopf zu verhüllen. Notwendig
sei die Ausbildung kompetenter muslimischer Geistlicher, „die sich
dem Fanatismus und der Sektenmentalität in Wort und Tat widersetzen“,
sagte der Patriarch laut Fides

Die chaldäische Kirche bildet die größte christliche Gemeinschaft im
Irak. Schätzungen sprechen von 480.000 Gläubigen, von denen mehr als
150.000 in den USA und 30.000 in Australien leben. Aufgrund der
Vertreibungen und der steten Abwanderung sind die Zahlen jedoch
starken Veränderungen unterworfen. (kna/dtj)