Wir leben leider in einer Zeit, in der viel Negatives über den Islam erzählt und in den Vordergrund gestellt wird. Mein bisheriges Studium der islamischen Theologie hat mir gezeigt, dass wichtige Angelegenheiten im Leben des Propheten oder allgemein in der islamischen Geschichte in Vergessenheit geraten sind oder bis dato noch kaum erwähnt wurden.

Deshalb habe ich es mir vor einigen Wochen zur Aufgabe gemacht, neben dem Lesen auch wichtige Stellen zum Leben des Propheten Muhammad und zu seinem Nachkommen zu notieren, diese zusammenzustellen und mit euch zu teilen. In diesem Beitrag werde ich lediglich über einige wichtige, fast vergessene Angelegenheiten im Leben des Propheten schreiben, wobei ich mich in den nächsten Beiträgen auf die Prophetengefährten und auf die osmanische Zeit konzentrieren möchte.

Wusstet ihr beispielsweise, dass…

– das Erste, was der Prophet in Medina machte, das Gewähren der Meinungs-, Religions-, Reisefreiheit und des Rechts auf Leben war? Und dass er dies in seiner Abschiedspredigt wiederholte und die Muslime aufforderte, diese Praxis auch nach seinem Tod weiter zu pflegen?

– der Prophet in seiner Moschee eine Art Dialogplattform gründete, in deren Rahmen die Klagen bzw. Kritikpunkte der Nicht-Muslime aufgenommen wurden?

– mit eine der ersten Handlungen des Propheten in Medina war, eine Krisen- bzw. Dialogsitzung mit den dort ansässigen zerstrittenen Stämmen zu organisieren? Obwohl diese keine Muslime waren?

– der Prophet gesagt hat, dass er sich für alle unterdrückten Menschen, ganz gleich welche Religion oder Ideologie sie besitzen, am Tage des Jüngsten Gerichts einsetzen werde?

– der Prophet sagte, dass auch die Tiere Lebewesen wie die Menschen seien, dieselben Schmerzen spüren und deshalb auch sie das Recht hätten, wie Menschen behandelt zu werden?

– der Prophet Christen aus Nedschran seine Moschee für den Gottesdienst und zum Übernachten bereit stellte?

– der Prophet auf die Frage, welche Tat die Beste/Vorzüglichste sei, Folgendes antwortete: „Menschen zum Essen einzuladen und alle Menschen, ganz gleich, ob du sie kennst oder nicht, zu begrüßen!“

– der Prophet alle behinderten Menschen (ausgehend vom Vers 49:13, wo Gott sagt, dass alle Menschen vor Gott gleich sind) der Stadt Medina in die Gesellschaft integrierte? Sehr viele Behinderte gestalteten die Gesellschaft aktiv mit. Vor allem im Bildungswesen wurden den Gebildeten unter ihnen tausende von Schüler anvertraut.

– der Prophet verbot, selbst über die größten Islam-Feinde nach ihrem Tod schlecht zu reden?

– der Prophet sagte: „Wenn die Herrschaft über die Muslime bei einem schwarzen Abessiner liegt, so sollte ihm gehorcht werden?“

– der Prophet seinen Gefährten und deren Nachfolgern befahl, die Rechte der Frauen zu achten, sie zu versorgen, sie bestens zu behandeln und sie zu lieben? Und sie warnte, dass sie, sobald sie diese nicht tun, sie auf die härteste Weise bestraft werden?

– der Prophet in seiner Abschiedspredigt ganz eklatant den Rassismus ablehnt, in dem er sagt, dass ein Araber keinen Vorrang vor einem Nicht-Araber hat, ein Weißer einem Schwarzen nicht überlegen ist und vor Gott nur die Tat des Menschen relevant ist?

– der Prophet den Rassismus verbiet und die äußerliche Gleichheit der Menschen betonte?

– der Prophet seine Gefährten zu einem Christen nach Äthiopien schickte, und dem christlichen Herrscher seine Gefährten anvertraute?

– der Prophet in der medinensischen Verfassung die Muslime aufforderte, an die Kirchen und Synagogen bei Bedarf und Nachfrage zu spenden?

– der Prophet mit dem Christen Ibn Haris b. Ka’b und seinem Stamm folgenden Vertrag abschloss: Die Religion, die Gebetsstätte, das Leben, die Nachkommen, die Ehre und das Vermögen der Christen im Osten und Westen sind in der Obhut der Muslime. Sie werden nicht zum Islam gezwungen. Und wenn ein Christ in der Not ist, ist ein Muslim verpflichtet, diesem zu helfen?

– der Prophet die Kriegsgefangenen besonders fürsorglich behandelte und diese darum bat (im Gegensatz zur Freilassung), zehn Muslimen das Schreiben und Lesen beizubringen?

– der Prophet sich mit einer Jüdin (Safiyya) verheiraten ließ? (Sie nahm erst später den islamischen Glauben an)

– der Prophet seiner Frau Hadidscha und später auch Aischa beim wöchentlichen Putz half?

– der Prophet öfters in der Küche mithalf, selbst Essen kochte und das Geschirr selbst spülte?

– der Prophet selbst Staatsangelegenheiten mit seiner Frau besprach bzw. sich von ihr beraten ließ?