Flüxchtlingskinder vor Taksim Döner

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Türkei ist die Flüchtlingsfrage eines der drängendsten Themen, für das Politik und Gesellschaft Lösungen finden müssen. In Deutschland sorgen die rassistischen, rechtsextremen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau zur Zeit einmal mehr für Empörung und Bestürzung. Erschreckenderweise finden diese Gewaltexzesse in großen Teilen der lokalen Bevölkerung Unterstützung. Dabei sollte man jedoch nicht die tausenden Menschen vergessen, die sich im Großen wie im Kleinen für Flüchtlinge einsetzen und ihre größte Not zu mindern versuchen.

Während die Türkei in den letzten Jahren mit 2 Millionen Gefüchteten ein Vielfaches der Flüchtlingszahl Deutschlands aufgenommen hat, kam es bisher zu keinerlei vergleichbaren Exzessen gegen Flüchtlinge. Obwohl es auch bei vielen Türken Vorbehalte und Neiddebatten gibt, wird der öffentliche Diskurs in der Türkei von anderen Geschichten geprägt. Eine davon ist die einer Frau, die sich für viele wie eine moderne Robin-Hood-Geschichte anhört.

Am Taksim-Platz fällt einer Frau eine Gruppe syrischer Flüchtlingskinder auf, denen es wie fast immer an allem mangelt, und zieht sie mit sich zum nächsten Dönerladen. Sie bestellt 35 Döner und Ayran für die Gruppe. Wenig später sagt sie, sie müsse kurz Geld wechseln gehen, weil sie nur Euros dabei habe. Der Verkäufer hinterfragt dies nicht – wahrscheinlich freut er sich einfach über das Geschäft. Er lässt die Frau ziehen mit der Hoffnung, sie werde in ein paar Minuten wieder kommen- vergeblich. Die Frau ist nie wieder dort erschienen. 275 türkische Lira betrug die Rechnung, also etwa 82 Euro.

Doch der Ladenbesitzer bleibt nicht auf den Kosten sitzen. Eine bis jetzt unbekannte Person erfährt von der Geschichte und beauftragt einen Boten, dem Verkäufer 500 Lira und einen Brief zu überbringen. Im Brief schreibt er, dass er die Rechnung mit der Summe begleichen will und vom Restgeld so viele weitere Döner wie möglich an die Flüchtlingskinder verteilt werden sollen.

Diskussionen in den sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken wird der Fall sehr heiß diskutiert. Während die einen die „kreative Frau“ als „Robin Hood“ rühmen, zeigten andere Empathie mit dem Besitzer des Dönerladens. Auch in Deutschland ist schon eine Diskussion über die Geschichte entfacht. Auf Twitter bezeichnet der User @Maik_KT beispielsweise als “(…) die beste Werbung für den Dönermann vom Taksim-Platz”. Die Facebook-Userin Ebru Aslan findet die Aktion für den Dönerladen-Besitzer nicht wirklich schädlich: “Also eine so große Dönerbuden kann sich den Betrag locker leisten! Zwar ist die Tat der Frau nicht die feine englische Art, aber 275 Lira sind in der Türkei auch nicht sooo viel”, schreibt sie auf Facebook.

Josef Furer findet: „Hauptsache die Flüchlinge haben was gegessen sollte man hier auch machen“. Während auch ‪René Bruns‪ ”Irgendwie (…) unfreiwillig grinsen” muss, ist es für Kazu Martinez Garcia “Am Ende (…) Diebstahl und Betrug”. Laut einer wenig repräsentativen Umfrage von Huffington Post Deutschland ist jedenfalls die Mehrheit der Leser gegen eine solche Aktion.