Kolonya gilt für viele Türken als Erfrischung in den Sommertagen. Doch jetzt gehört sie zu den größten Feinden des Coronavirus. Und dabei expandiert sie in alle Welt. 

Die Coronavirus-Pandemie kommt nicht zur Ruhe, im Gegenteil, sie erfasst immer mehr Länder. So werden immer wieder neue Methoden zum Schutz vor dem Virus in den Raum geworfen. Manche schwören auf den Schutz durch die beliebte türkische Pansensuppe (Kelle paça), während andere auf Mundschutz und Desinfektionsmittel zurückgreifen. Doch der absolute Herr aller Schutzmethoden ist derzeit die türkische Kolonya, dem türkischen Gegenstück zum Kölnisch Wasser.

Welcher Türke oder Deutsch-Türke kennt die Kolonya nicht? Schließlich taucht sie immer dann auf, wenn man zuhause Gäste empfängt. Sie bekommen ein paar Tröpfchen des erfrischenden Wassers und reiben sich damit ihre Hände ein, um den beliebten Geruch im Nachhinein einzuatmen. Vor allem im Sommer ist die Erfrischung unvergleichlich.

Türken nutzen Kolonya aber auch gegen Krankheiten und Schmerzen. Bei Kopfschmerzen versucht man es meist mit einem kleinen Spritzer auf die Schläfen. Zum Abschluss der Rasur massiert der „Berber“ den Kunden mit Kolonya mit einer Zitronennote ein − als Zeichen der Freundschaft und um zu signalisieren, dass er fertig ist.

Und jetzt soll Kolonya auch gegen das Coronavirus helfen. Der hohe Alkoholgehalt (am besten 80%) soll Viren und Bakterien töten. Anstatt Desinfektionsmittel nutzen Türken also die klassische Kolonya. Diese gibt es auch als Feuchttücher (kolonyalı mendil), die vor allem in Restaurants zur Anwendung kommen und den Gästen nach dem Essen mit der Rechnung zusammen ausgegeben werden. Selbstverständlich darf Kolonya auch bei Busfahrten innerhalb der Türkei nicht fehlen.

Kolonya in unterschiedlichsten Versionen

Zwar ist der Zitronenduft die klassische Version der Kolonya. Doch der Kreativität sind auch hier keine Grenzen gesetzt. So gibt es die Kolonya mittlerweile in nahezu allen möglichen Duftnoten: Lavendel, Kirsche, Erdbeere und vieles mehr. Es gibt sogar unterschiedliche Mischungen davon.

Dabei ist Kolonya eigentlich keine türkische Erfindung. Wie der Name bereits erahnen lässt, stammt sie tatsächlich aus Köln. Hier hat ein italienischer Parfümeur das Kölnisch Wasser bereits 1709 entwickelt. Es war ein Destillat aus Bergamotte, Limette, Zeder, Orange sowie anderen Zitrusgewächsen. Der türkische Parmümeur Ahmet Faruki hat diese Idee 1882 in das Osmanische Reich geholt und ihr den Namen Kolonya gegeben.

Onlineshops kommen bei den Bestellungen nicht mehr hinterher

Dennoch: So beliebt wie in der Türkei war und ist die Kolonya nirgends. In Zeiten von Corona ist der Verbrauch weiter angestiegen und die Nachfrage ungebremst. Einer der bekanntesten Kolonya-Produzenten des Landes ist die Firma „Eyüp Sabri Tuncer“. Die Bestellungen im Onlineshop sind mittlerweile so stark angewachsen, dass die Produktion dem nicht mehr hinterherkommt. „Unser tägliches Limit von 3.000 Verpackungen für den Onlineshop ist aufgebraucht“, ließ das Unternehmen auf der Webseite verlauten.

Screenshot: https://www.eyupsabrituncer.com

Für das gestiegene Interesse an Kolonya mag auch die Empfehlung des türkischen Gesundheitsministers Dr. Fahrettin Koca gesorgt haben. Kürzlich sagte Koca, dass der Wissenschaftsrat Kolonya empfehle und diese gegen das Coronavirus wirksam sei.

Kolonya erregt internationale Aufmerksamkeit

In diesen Tagen erregt die Kolonya auch an anderen Orten außerhalb der Türkei Aufmerksamkeit. Engin Tuncer, Vorstandsvorsitzender von „Eyüp Sabri Tuncer“, beschreibt, wie sich das Interesse gewandelt habe. „China kauft ganze Flugzeugladungen voller Kolonya“, sagte er in einem Interview mit dem türkischen MAG-Magazin. Die Firma konzentriere sich derzeit vor allem auf China, Hong-Kong, Singapur, Marcus Island, Russland, die USA sowie Fernost.

Dass Kolonya nun in aller Munde ist, geht auch mit unterhaltsamen Begleiterscheinungen einher. Manch selbsternannter Kolonya-Experte erklärt, wie man sie korrekt benutzt. Das kann jedoch auch sehr schnell schief gehen, wie das folgende Video zeigt: