13.08.2020, Griechenland: Auf diesem von der griechischen Landesverteidigung zur Verfügung gestellten Foto wird ein französischer Hubschrauberträger Tonnerre (l) während einer Seeübung im östlichen Mittelmeer von griechischen und französischen Militärschiffen eskortiert. Angesichts des Streits um Erdgasfelder hat Frankreichs Präsident Macron angekündigt, die französische Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer vorübergehend zu verstärken. Seit Anfang der Woche sucht das türkische Forschungsschiff "Oruç Reis" südlich von Rhodos und der kleinen Insel Kastelorizo nach Erdgas. Foto: Greek Defence Ministry/AP/dpa

Die Spannungen im östlichen Mittelmeer wachsen. Frankreichs Staatschef Macron und Partner zeigen sich mit Griechenland und Zypern solidarisch. Aus der Türkei kommt scharfe Kritik.


Im Streit um Erdgaserkundungen im östlichen Mittelmeer fordern Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron und Partner aus dem europäischen Süden die Türkei zum Kurswechsel auf. Es gebe volle Unterstützung und Solidarität mit Griechenland und Zypern, teilten Frankreich und sechs weitere südliche EU-Staaten am späten Donnerstagabend bei einem Gipfeltreffen in Ajaccio auf der Mittelmeerinsel Korsika mit.

Der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis erklärte laut einer offiziellen Übersetzung: „Die Türkei muss die Forschungen unterlassen.“ Er forderte Ankara auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Wir werden der Türkei nicht erlauben, Europa zu spalten.“

Im östlichen Mittelmeerraum hat sich die Lage zuletzt gefährlich angespannt. Die Türkei sucht nach Erdgasvorkommen. Griechenland und Zypern sind der Ansicht, dass die Bohrungen in ihren Seegebieten erfolgen und damit illegal sind. Ankara weist dies zurück und ist anderer Auffassung.

Die EU hatte Ankara wegen der Erdgaserkundungen bereits ein Ultimatum gesetzt und mit zusätzlichen Sanktionen gedroht. Wenn es in den nächsten Wochen keine Fortschritte beim Dialog gebe, könne beim EU-Sondergipfel am 24. September eine Liste weiterer Strafmaßnahmen diskutiert werden, hatte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell Ende August angekündigt. Diese würden auch Wirtschaftssanktionen umfassen.

Türkei laut Macron „kein Partner mehr in der Region“

„Wir sind entschlossen, wieder in einen kooperativen Dialog einzutreten“, sagte Gipfelgastgeber Macron. „Aber wir fordern auch, dass unsere Prinzipien langfristig respektiert werden.“ Zuvor hatte der 42-Jährige gesagt, die Türkei sei kein Partner mehr in der Region des östlichen Mittelmeers. „Unsere roten Linien sind einfach der Respekt vor der Souveränität eines jeden europäischen Mitgliedstaates, die Achtung des Völkerrechts“. Frankreich hatte jüngst als Zeichen der Solidarität mit Athen und Nikosia seine Militärpräsenz in der Region erhöht.

Aus Ankara kam schon vor dem offiziellen Beginn des Gipfels eine harsche Antwort: Macron habe eine „arrogante Erklärung“ abgegeben, die Ausdruck seiner Unfähigkeit und Verzweiflung sei, hieß es in einer Mitteilung des türkischen Außenministeriums. Macrons Verhalten weise „alte kolonialistische Reflexe“ auf und gefährde die Interessen der EU. Er sei außerdem nicht dazu befugt, über Grenzen im Mittelmeer zu entscheiden.

Das Treffen auf Korsika diente Frankreich, Griechenland, Zypern, Malta, Italien, Spanien und Portugal nicht zuletzt, um sich vor dem EU-Sondergipfel Ende des Monats abzustimmen. Es war nach Pariser Angaben bereits das siebte Treffen in diesem Format, das auch „Med7“ genannt wird.

Reibungen bereits wegen Libyen-Konflikt

Macron hatte die Türkei und seinem Amtskollegen Recep Tayyip Erdoğan bereits mehrfach wegen des Libyen-Konflikts angegriffen – denn dieser bedrohe auch die Sicherheit Europas. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt die international anerkannte Regierung in Libyen. Die Türkei entsende nach Tripolis radikale, aus Syrien stammende Milizionäre, hieß es aus Kreisen des Élyséepalastes.

In dem nordafrikanischen Land Libyen herrscht seit dem Sturz von Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg, der von außen befeuert wird. Während die Türkei die Regierung in Tripolis unterstützt, erhält der einflussreiche General Chalifa Haftar Hilfe unter anderem von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Russland.

dpa/dtj