Eine Mitarbeiterin steht bei einem Presserundgang am Maxim Gorki Theater in der Ausstellung "museum of small things" in einem gezeichneten Grundriss der türkischen Zelle des ehemals inhaftierten Journalisten Deniz Yücel. Die Ausstellung beinhaltet eine Abstraktion einer türkischen Isolationszelle und eine Installation, die Alltagsgegenstände politischer Gefangener in der Türkei zeigt. Foto: Fabian Sommer/dpa

Mit der Adaption einer Gefängniszelle im Garten des Gorki-Theaters macht der im Berliner Exil lebende türkische Journalist Can Dündar auf politische Inhaftierungen in seiner Heimat aufmerksam.

Der mit beton-farbenen Gegenständen bestückte und mit Spiegelfolie optisch isolierte Raum sei an eine Zelle im Hochsicherheitsgefängnis Silivri angelehnt, sagte Dündar am Mittwoch. Dort war auch der deutsche Journalist Deniz Yücel inhaftiert.

Mit der Freilassung Yücels habe die Aufmerksamkeit in Deutschland nachgelassen, sagte Dündar. Die Situation sei aber unverändert schrecklich. „Die Zelle ist der Preis, wenn man über die Türkei schreibt.“ Dündar selbst wurde in der Türkei ebenfalls verurteilt, lebt aber seit einigen Jahren im Exil.

Das installierte Licht und die Folie sorgten bei Dunkelheit dafür, dass sich die Zelle optisch vervielfache, sagte Dündar. Das mache deutlich, dass es in der Türkei tausende solche Hafträume gebe.

Ausstellung soll folgen

Sobald die Corona-Bedingungen es zulassen, soll neben der Zelle auch eine Ausstellung mit dem Titel „Museum der kleinen Dinge“ zugänglich sein. In der Videoinstallation werden Texte Dündars zu Gegenständen inszeniert, die Geschichten politischer Gefangener in der Türkei erzählen.

Mit Installation und Ausstellung sei ihr Haus „an der Schnittstelle von Theater und Aktivismus, an der sich das Gorki immer wieder befindet“, sagte Intendantin Shermin Langhoff.

dpa/dtj