Die Türkische Lira verlor in diesem Jahr stark an Wert. In den letzten Tagen konnte sie sich etwas erholen. Foto: shutterstock

Im Kampf gegen die Inflation hebt die türkische Zentralbank den Zinssatz von 10,25 auf 15,0 Prozent an. Präsident Erdoğan, der als Zinsgegner gilt, hatte jüngst eine Kehrtwende seiner Politik angekündigt. Warum der Schritt für ihn dennoch einer Niederlage gleichkommt.

Die türkische Lira machte zuletzt mit historischen Tiefstständen von sich reden (DTJ-Online berichtete). Zugleich sehen sich die türkischen Währungshüter mit einer Inflation im zweistelligen Prozentbereich konfrontiert. Um den Preisverfall der Landeswährung zu stoppen und die Inflation einzudämmen, erhöht die türkische Zentralbank nun die Zinsen deutlich.

Nach der von Präsident Recep Tayyip Erdoğan angekündigten Kehrtwende in der Zinspolitik, lässt der neue Zentralbankchef Naci Ağbal Taten sprechen. Seine Organisation hob den Leitzins am Donnerstag auf 15,0 gegenüber bislang 10,25 Prozent an. „In Zukunft wird eine straffere Geldpolitik verfolgt und alle Faktoren, die die Inflation beeinflussen, beobachtet, bis eine anhaltend niedrigere Inflation erreicht wird“, schrieb die Notenbank in einer Stellungnahme.

Zwei Prozent Kursgewinn der Lira

Die Folge: Die Lira reagierte umgehend mit deutlichen Kursgewinnen. Zuletzt schoss der Kurs um über zwei Prozent zum Euro hoch. Ein Euro war lediglich neun Lira wert. Zum Vergleich: Noch vor wenigen Tagen hatte der Euro erstmals die Marke von zehn Lira hinter sich gelassen (DTJ-Online berichtete).

Der türkische Präsident gilt eigentlich als Zinsgegner. Noch vor der Zinssitzung hat er gewettert: Man dürfe „nicht zulassen, dass unsere Investoren von hohen Zinsen erdrückt werden“. Er fügte hinzu: „Wozu hohe Zinsen führen, liegt auf der Hand. Können wir mit hohen Zinsen etwa wirklich investieren? (…) Können wir Beschäftigung schaffen? Unmöglich.“

Präsident tauscht wichtige Posten aus

Für ausländische Experten bleibt der mächtige Mann in Ankara ein Unruhefaktor. Commerzbank-Analyst Tatha Ghos ist sich sicher: „Er bezeichnete Zinserhöhungen als ‚bittere Pille‘ und nicht als richtigen geldpolitischen Kurs. Damit liegt auf der Hand, dass er höhere Zinsen nicht ewig hinnehmen wird, sondern eben nur vorübergehend.“

Zuvor hatte Erdoğan allerdings betont, das Land stärker für ausländische Investoren öffnen zu wollen. Deswegen stehe er voll und ganz hinter der Notenbankpolitik. Kein Wunder. Schließlich besetzt er im Zuge des Umbruchs nicht nur den wichtigen Notenbankposten mit seinem Getreuen Ağbal, sondern machte den ehemaligen Vize-Regierungschef Lütfi Elvan zum neuen Finanzminister. In diesem Amt folgt er auf Erdoğans Schwiegersohn Berat Albayrak.

Erdoğan beugt sich den Investoren

Der Rücktritt seines Schwiegersohns, der Preisverfall der nationalen Währung sowie der Neustart der türkischen Währungspolitik können durchaus als geldpolitische Niederlagen Erdoğans gewertet werden. Schließlicht beugt sich der türkische Präsident damit den Forderungen der Investoren.

Das Ende der expansiven Geldpolitik und wohlmöglich seiner populistischen Wirtschaftspolitik resultieren daraus. Die Zukunft der türkischen Lira bleibt, trotz der kurzfristigen Stabilisierung, ungewiss.