Spezialkräfte der Polizei im Hotel des Verdächtigen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Gesperrte Straßen, Spezialkommandos im Anmarsch und aufgebrachte Hotelgäste: In diesem Chaos wurde Mitte September ein türkischer Staatsbürger festgenommen. Viele Fragen blieben damals offen. Nun erhärtet sich ein Verdacht. Sollten Gülen-Anhänger ausgespäht und eingeschüchtert werden?

Ein vor zwei Wochen in einem Düsseldorfer Hotel festgenommener Türke steht im Verdacht, Anhänger der sogenannten Gülen-Bewegung in Deutschland ausgespäht zu haben. Gegen den 40-Jährigen ermittelt nun die Bundesanwaltschaft, wie die Karlsruher Behörde am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Es gebe „hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte“ dafür, dass der Mann Informationen über Personen aus dem Raum Köln gesammelt habe, um sie an den türkischen Nachrichtendienst MIT zu übermitteln.

Festnahme mit Großeinsatz

Der Mann war am 17. September in einem Großeinsatz festgenommen worden und sitzt in Untersuchungshaft. Bisher hatte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft in dem Fall ermittelt, wegen des Verdachts der Verabredung zu einem Verbrechen.

Nach ihren Angaben hatten Einsatzkräfte Schriftstücke entdeckt, die auf eine Gefährdung bestimmter Personen hätten schließen lassen. Die Betroffenen seien von der Polizei kontaktiert und gewarnt worden.

Plante der Verdächtige einen Anschlag?

Zeitweise hatten auch mögliche Anschlagspläne im Raum gestanden. Zu solchen Vorwürfen teilte die Bundesanwaltschaft nichts mit. „Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen besteht ein Anfangsverdacht der geheimdienstlichen Agententätigkeit“, hieß es. Ermittelt wird außerdem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Den Angaben zufolge soll der Mann 200 Schuss scharfe Munition besessen haben. Womöglich sollten die Betroffenen damit eingeschüchtert werden.

Der „Spiegel“ hatte vor einer Woche berichtet, dass auf der Liste Namen von Anhängern der Gülen-Bewegung gestanden hätten, ergänzt mit persönlichen Informationen. Laut „Bild“-Zeitung war bei dem Festgenommenen zudem ein verdächtig hoher Geldbetrag auf dem Konto eingegangen.

Waffe im Hotel, Spezialkommando vor der Tür

Der Mann soll ein Hotelgast gewesen sein. Laut Bundesanwaltschaft hatte ein Mitarbeiter bei ihm eine Waffe entdeckt und die Polizei verständigt. Diese hatte das Gebäude räumen lassen und es über Stunden mit mehreren Spezialeinsatzkommandos durchkämmt, weil eine „akute Gefahrenlage“ zunächst nicht ausgeschlossen werden konnte.

Die Waffe hatte sich später als Schreckschusswaffe entpuppt. Auch ein verdächtiger Koffer stellte sich als harmlos heraus. Wegen des Großeinsatzes hatten rund 550 Gäste das Hotel verlassen müssen. Die umliegenden Straßen wurden weiträumig abgesperrt. Das Hotel hatte erst am Montagmorgen wieder öffnen können.

dpa/dtj