ARCHIV - 06.07.2019, Bayern, Passau: Die Spieler von Türkgücü München klatschen mit ihren Fans ab. Der Fußball-Regionalligist will im Falle eines Aufstiegs in die Dritte Liga seine Heimspiele womöglich im Westen Deutschlands austragen. Foto: Christian Butzhammer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Das Warten hat ein Ende: Türkgücü München steigt endgültig in die Dritte Liga auf. Der Klub ist damit der erste Migrantenverein, dem das in Deutschland gelingt. Eine unorthodoxe Lösung half dabei.

Alle gemeldeten Aufsteiger bekommen die Lizenz für die kommende Drittliga-Spielzeit, das vermeldete eine Pressemitteilung des DFB am Montag. Damit ist klar: Türkgücü München steigt als erster Migrantenverein in den deutschen Profifußball auf. Das war nur möglich, weil Türkgücü als uneingeschränkt verfügbare Spielstätte für seine Heimspiele in der 3. Liga die Flyeralarm-Arena in Würzburg meldete.

Die Stadionfrage war in den vergangenen Wochen immer wieder die größte Baustelle der Türkgücü-Verantwortlichen. Der deutsch-türkische Verein kann seine Partien aber auch im Münchner Olympiastadion und im Grünwalder Stadion austragen. In der geschichtsträchtigen Olympiaarena mit dem futuristischen Dach stehen allerdings noch Umbauarbeiten an. Open-Air-Events machen die Verfügbarkeit der Spielstätte ebenfalls schwierig.

Grünwalder Stadion weiter im Rennen

Im Grünwalder Stadion im Münchener Stadtteil Giesing darf Türkgücü nur an Terminen spielen, an denen nicht einer der anderen Drittligisten 1860 oder FC Bayern II dort spielt. Zuletzt hing alles an der Stadionverfügbarkeit. Deswegen suchte Türkgücü über die Stadtgrenzen hinaus – neben Würzburg ebenfalls in Burghausen beim Drittligisten Wacker. Die Ausweichmöglichkeit sei sehr kurzfristig gefunden worden, heißt es aus Insiderkreisen.

Offenbar ist das Tohuwabohu um die Spielstätte selbst für die Türkgücü-Verantwortlichen zu kompliziert. Denn selbst Geschäftsführer Max Kothny gab nach der Zulassung für die Dritte Liga unumwunden zu: Er habe „überhaupt keine Ahnung, wie das Ganze jetzt in der Praxis laufen wird“.

DFB kommt Türkgücü entgegen

Der DFB, der zuvor betonte, dass er keine improvisierten Lösungen wünscht, zeigte sich im Fall Türkgücü ungewöhnlich beweglich. Denn dass ein Stadion drei Profimannschaften beherbergt, ist für die Fußballwächter aus Frankfurt eigentlich ein No-Go. Zugleich hätte eine Aufstiegsverweigerung für Türkgücü wütende Proteste nach sich gezogen.

Für den Verein, der mit dem Ex-1860-München-Profi Alexander Schmidt bereits einen neuen Trainer für die kommende Saison vorstellte und fünf Spieler verkaufte, endet damit ein zähes Ringen. Kothny und Co. können nun die Spielzeit 2020/21 vorbereiten, Spieler verpflichten und Konzepte entwickeln.