In Artvin in der östlichen Schwarzmeerregion hat der größte Umwelt-Prozess der Türkei begonnen. In dem Prozess vertreten 61 Anwälte 760 Ankläger. Der Prozess wird auch von der Anwaltskammer der Türkei (Türkiye Barolar Birliği) sowie von der Kammer der türkischen Ingenieure und Architekten (Türk Mühendisler ve Mimarlar Odaları Birliği) unterstützt. Die Ankläger wollen, dass bei der Goldsuche von Cengiz Holding in Cerattepe in der Provinz Artvin Rücksicht auf die Umwelt genommen wird beziehungsweise Umweltschutzauflagen nicht umgangen werden. Deshalb wollen sie, dass das Umwelt-Auswirkungs-Gutachten des Unternehmens gerichtlich begutachtet und geprüft wird.

Was ist bisher passiert?

Cengiz Holding legte 2013 ein Gutachten vor, wonach ihr positive Umwelt-Auswirkungen (ÇED Raporu) des Projektes bescheinigt wurden. Dieses Gutachten kam wohl nicht rechtmäßig zustande. Denn das Verwaltungsgericht in Rize erklärte das Gutachten aufgrund einiger Mängel für ungültig. Daraufhin ließ Cengiz Holding ein neues Gutachten erstellen, in dem angeblich die Mängel behoben wurden. Dieses Gutachten wurde direkt an das Umweltministerium zugestellt und die Zustimmung des Ministeriums für das Projekt eingeholt. Die Ankläger wollen, dass auch das neue Gutachten gerichtlich geprüft wird.

Widerstand gegen die ‚Grüne Straße‘

Unterdessen wächst auch der Widerstand gegen die sogenannte Grüne Straße (Yeşil Yol), die in der östlichen Schwarzmeerregion Hochplateaus miteinander verbinden soll. So gab es vor einigen Tagen in Rize bei den Bauarbeiten auf dem Plateau Samistal Proteste gegen die Bauarbeiten. Als etwa 300 Menschen sahen, dass der Zugang zum Hochplateau durch Baumaschinen versperrt war, um Protestierende fernzuhalten, errichteten sie kurzfristig vor Ort einen neuen Weg, um zum Hochplateau zu gelangen. Angelangt an der Baustelle versuchten sie, die Bauarbeiten zu stoppen, wurden jedoch nach einiger Zeit durch die Sicherheitskräfte vor Ort entfernt.

Der Projekt Yeşil Yol soll von Samsun aus die Hochplateaus bis nach Artvin an der georgischen Grenze verbinden und über 2600 Kilometer lang sein. Sie soll die Region touristisch erschließen. Das Projekt, das 2013 begann, soll 2018 abgeschlossen sein. Die Menschen der Region fürchten, dass durch das Projekt die Umwelt beeinträchtigt wird und Betonbauten die grüne Region verschandeln.