Wer steckt wirklich hinter den Massakern von Sivas und Başbağlar?

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül wies am Mittwoch die Staatliche Untersuchungsstelle (DDK) an, eine neuerliche Ermittlung mit Blick auf das Massaker von Başbağlar durchzuführen, bei dem am 5.Juli 1993 insgesamt 33 Menschen brutal ermordet wurden.

An jenem Tag sollen PKK-Terroristen in das heute nur noch 89 Einwohner zählende, mehrheitlich sunnitische Dorf in der Provinz Erzincan eingedrungen sein. Der Überfall erfolgte drei Tage nach den Ereignissen von Madımak, besser bekannt als „Massaker von Sivas“. Am 2.Juli 1993 hatte ein aufgehetzter, nationalistische Parolen skandierender Mob das Hotel „Madımak“ in Sivas in Brand gesteckt, als gerade ein alevitischer Schriftstellerkongress stattfand. Dabei starben 33 Aleviten, zwei Hotelangestellte und zwei der Angreifer. Die Täter des Massakers von Başbağlar hatten eine Notiz hinterlassen, wonach es sich bei ihrem Angriff um einen Racheakt für Sivas handle.

Beide Vorfälle gelten immer noch als nicht aufgeklärt – trotz umfangreicher Untersuchungen. Der Staatsanwalt, der ursprünglich die Ermittlungen geleitet hatte, schloss die Akte im Jahre 1998.

Der Präsident will die Wahrheit erfahren

Güls Initiative erfolgte als Reaktion auf Medienberichte, in denen darauf hingewiesen wurde, dass am bevorstehenden 20.Jahrestag des Massakers auf Grund der geltenden Verjährungsbestimmungen die Akte Başbağlar endgültig geschlossen werden müsste. Der Präsident forderte die DDK daraufhin auf, das Massaker „gründlich zu untersuchen“.

Wie unmittelbar nach Bekanntgabe der Anordnung veröffentlichte Berichte darlegen, wollen Offizielle der DDK die Vorfälle von Başbağlar als Teil einer neuerlichen Untersuchung zum Madımak-Massaker wieder aufrollen. Es werden Zeugen der Vorfälle befragt, Familien der Opfer sowie Betroffene, welche die Überfälle überlebt hatten.

Die DDK, die Untersuchungsstelle des Präsidentenamtes, hatte bereits in der Vergangenheit Untersuchungen zu zweifelhaften Ereignissen durchgeführt, darunter unter anderem zum Tod des früheren Staatspräsidenten Turgut Özal oder zum mysteriösen Flugzeugabsturz aus dem Jahre 2009, bei dem neben fünf anderen Insassen auch der frühere Vorsitzende der „Partei der großen Einheit“ (BBP) ums Leben gekommen war. Außerdem ermittelte die DDK im Zusammenhang mit verdächtigen Umständen bezüglich einiger Zivilbediensteter im Zusammenhang mit der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink, der 2007 in Istanbul vor dem Büro der von ihm geleiteten Wochenzeitung „Agos“ ermordet wurde.