Ein Film, der sich mit der gesellschaftlichen Akzeptanz des Kopftuchs beschäftigt, ist heute so relevant wie eh und je. Viel zu oft wurde das Thema ignoriert und als ein stark keimendes Feld den Radikalen überlassen. Radikale Salafisten haben diese Konfliktherde bisweilen ganz gut für ihre Zwecke instrumentalisiert. Dabei ist die religiöse Bedeckung ein Thema, das viel Fingerspitzengefühl bedarf.

Mit ihrem Film „Die Neue“ hat sich Regisseurin Buket Alakus diesem Thema gewidmet und einen Film hervorgebracht, der den Finger in die Wunde legt. Er behandelt Toleranzgrenzen, banale Fürchte, das Versagen von Pädagogen und Revierkämpfe von etablierten Gruppen der Gesellschaft zwischen den Neuartigen. Dabei dient die Schule als Schauplatz der Gesellschaft und bietet eine gute Fläche, um Zukunftsprognosen über Entwicklungen in der Gesellschaft zu machen.

Im Film „Die Neue“ kommt die Türkin Sevda in die Klasse von Lehrerin Eva Arendt. Sevda ist eine bedeckte, religiöse Schülerin aus gutem Elternhaus mit einem rebellischen Charakter. Sie wirkt stets defensiv und sensibel, was aber zum Teil an ihrer eigenen Haltung liegt. Ihre unerfahrenen Mitschüler und das intolerante Umfeld provozieren Sevda, sodass sie sich ihrem neuen Umfeld gegenüber nicht öffnet. Sevda erkennt in ihrer neuen Schule gewohnte Diskriminierungsmuster und wird davon zermürbt. Mit ihrer vorherigen Schule hat es nicht so recht geklappt, und Sevda scheint ihren Glauben daran verloren zu haben, eines Tages von jedem so akzeptiert zu werden, wie sie ist. Doch in aller Turbulenz hilft die neue Klassenlehrerin Frau Arendt, die viel Gehör für sie hat. Eva Arendt sieht in der bedeckten Sevda ihre eigene vergangene Rebellion gegenüber der Mutter, die ihr bis in den Tod nie verraten hat, wer ihr leiblicher Vater ist. Dabei ist die Lehrerin mit Sevda in einer für sie sehr ungewöhnlichen Situation; auch Eva versteht nicht alles auf Anhieb. Doch dass Eva ihrer Schülerin zumindest zuhören möchte, reicht Sevda aus, um für die Integration in ihr Umfeld neue Hoffnung zu schöpfen. Sie stellt die Gesellschaft in Frage und möchte eigentlich nur so akzeptiert werden, wie sie ist.

Sevda, eine selbstbewusste Schülerin mit Kopftuch

Sevda glaubt an Allah, Eva hingegen glaubte mal an Gott, aber der Glauben an ihren schulischen Erfolg ist zunächst ihr kleinster gemeinsamer Nenner. Das geht so weiter, bis Sevda sich im Keller der Schule heimlich zum Beten einrichtet und zwei weitere Schülerinnen inspiriert. Sie ist dabei keinesfalls radikal oder fundamentalistisch. Die Gründe der zwei Schülerinnen, sich von Sevda inspirieren zu lassen, sind vielmehr einfache subjektive Diskriminierungserfahrungen und alltägliches Mobbing durch andere Mitschüler. Eine Situation, in der sich Sevda für die eher unbeliebten Schülerinnen stark macht, reicht dazu aus, sich hinter der starken und selbstbewussten Sevda zu positionieren. Denn sie ist heiße Diskussionen und andauernde Rechtfertigungen wegen ihres Glaubens gewohnt und in Schlagfertigkeit geübt. Sie behauptet sich stark und festigt ihre Position.

Als dann die beiden anderen Mädchen Sevda nachmachen und sich von heute auf morgen bedecken, eskaliert die Situation. Eine Kampagne gegen die Verschleierung der Klassenkameradinnen erreicht ihren Höhepunkt, als alle Schüler zur Demonstration eine Burka anziehen und so auf die Lehrerin und den drei zum Beten in den Keller gegangenen Schülerinnen warten. Mit dem Gebetsraum im Keller hatte sich Sevda bei den Lehrern schon unbeliebt gemacht. Nur durch den Einsatz von Frau Arendt wurde sie verschont, unter der Voraussetzung, im Keller nicht mehr heimlich zu beten. Doch Sevdas orthodoxe Haltung war in den Augen ihrer Lehrerin ein Missbrauch ihres Vertrauens. Der Anblick der vollverschleierten Klasse bringt die ohnehin angespannte Lehrerin jedoch aus der Fassung und sie tut etwas, das ihr beinahe den Job kostet…


Der Film wird am Montag, den 19. Oktober, um 20.15 Uhr erstmals im ZDF ausgestrahlt.