Das Osmanische Reich war einst so riesig, dass man immer wieder Orte findet, von denen man auf Anhieb nicht erwarten würde, dass sie einmal Teil des „Devlet-i Aliye“ waren, also des „ruhmreichen Staates“, wie die Osmanen sich selbst bezeichneten. Ebenso wie Zeyla in Somaliland ist auch Berbera am Golf von Aden ein solcher Ort. Hier am Horn von Afrika leben rund 50.000 Menschen in einer alten osmanischen Stadt. Die Zahl der Einwohner sinkt im Sommer aufgrund der hohen Temperaturen, denn die Menschen ziehen während dieser Monate an kühlere Orte.

Auf den Straßen trifft man auf viele Fischverkäufer, die ihre Ware in Zeitungen verpacken und sie an die Passanten verkaufen. Auch fallen die in Cafés sitzenden Menschen auf, die „Khat“ kauen. Überall um sie herum stehen Khat-Verkäufer. Für die Einwohner ist diese Pflanze, die als leichtes Rauschmittel konsumiert wird, ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

Berbera ist eine wunderschöne Stadt mit einer unendlich langen Küste. Es ist ein Juwel, der dem größten Teil der Menschheit verborgen bleibt. Der Ort gilt als lebendige Hafenstadt. Ständig werden Güter im- und exportiert.

Die Osmanen hinterließen viele Gebäude in Berbera. Die große Moschee im Zentrum der Stadt ist eines davon. Sie wird Mecid-i Turk genannt, also türkische Moschee. Sie wurde zwischen 1840 und 1850 gebaut und ist heute immer noch gut besucht. Das Gerichtsgebäude neben der Moschee ist ebenfalls ein Überbleibsel aus dem Osmanischen Reich. Heute ist es der Wohnsitz des Stadtgouverneurs.

Moschee in Berbera

Wasserkanal versorgt Einwohner nach Jahren noch mit kaltem Wasser

1804 erreichten die Osmanen dieses Land und regierten dort 80 Jahre lang. Auch heute noch stammen viele Hafenanlagen und Leuchttürme in Berbera aus der Zeit der Osmanen. Obwohl sie nicht lange an diesem Ort herrschten, hinterließen sie viel mehr Spuren als in irgendeinem anderen Staat, den sie regierten.

Interessant ist auch, dass viele türkischstämmige Familien immer noch in Berbera leben, auch wenn sie die türkische Sprache verlernt haben. Doch die osmanischen Strukturen sind den Einwohnern sehr wohl bekannt und sie sind ihnen dafür dankbar.

Ein weiterer Beitrag der Osmanen in der Stadt ist ein Wasserkanal. An dieser Stelle steht ebenfalls ein Schloss zum Schutz des Wasserkanals. Dank dieses Wassers, das aus den Bergen in den Kanal floss, gewann man ein grünes Tal, das mit Dattelbäumen bewachsen war. Für dieses „Erbe“, das die Osmanen hinterließen, sind die Einwohner Berberas besonders dankbar. Denn in solch heißen Ländern ist kaltes Wasser ein wahrer Segen – heute gilt das mindestens genauso sehr wie vor 200 Jahren.