Korruption, Hunger, Bürgerkriege und Seuchen kennzeichneten über Jahrzehnte hinweg das Bild, das in unseren Breiten von Afrika vorherrschte. All das gibt es heute auch noch in vielen Ländern des Kontinents, aber bei weitem nicht mehr so häufig und so flächendeckend.

Dass sich Ebola in den letzten Jahren über mehrere Länder Afrikas ausbreiten konnte, war nicht mehr primär ein Resultat armutsbedingter Abwesenheit medizinischer Versorgung, sondern vielmehr eine bedauerliche Folgewirkung des Aufschwungs und des Ausbaus der Infrastruktur, den die Region erlebt hatte: Der Warenaustausch hat massiv genommen, die Menschen sind ungleich mobiler.

Afrika ist nach wie vor ein Geheimtipp unter Investoren. Die Wachstumsraten in Subsahara-Afrika sind besonders hoch. Länder wie die Elfenbeinküste peilen zweistellige Prozentsätze an.

Und die Hauptprobleme sind, sieht man von unvorhersehbaren Ereignissen wie Ebola ab, heute andere als noch vor 30 Jahren, als Afrika noch als Hort der Hoffnungslosigkeit galt – sie deuten darauf hin, dass noch ein gigantisches unerschlossenes Potenzial darauf wartet, erschlossen zu werden. Das Wachstum der Infrastruktur vermag nicht mit dem der Wirtschaftsentwicklung Schritt zu halten.

Gelingt es, die allgegenwärtigen Stromausfälle in den Griff zu bekommen, aus Schlaglochpisten gut befahrbare Straßen zu machen und die öffentlichen Transportsysteme auf einen modernen Standard zu bringen, sind in Afrika schon bald noch größere Sprünge möglich. Dazu müsste die Afrikanische Union allerdings, so hat es KPMG Deutschland errechnet, insgesamt 380 Milliarden US-Dollar investieren.
Zu den Ersten, die das Potenzial Afrikas erkannt hatten, gehörten die Chinesen. Die Volksrepublik China ist auf dem südlichen Kontinent Großinvestor, chinesische Unternehmen sind allgegenwärtig, China ist mit Krediten zur Stelle, China springt dort ein, wo andere zaudern. Dass Investitionen vielfach am Ende versickern, Projekte nicht fertiggestellt werden oder sonstige Unwägbarkeiten auftreten, vermag die starke Position der Chinesen auf dem afrikanischen Markt nicht zu erschüttern. Ihre Präsenz ist einfach flächendeckend zu stark.

Dies könnte am Ende auch dazu führen, dass ausgerechnet die Exportnation Deutschland und insbesondere der deutsche Mittelstand ihre Chancen in Afrika verpassen. „Wer ständig auf Veränderungen wartet, könnte den optimalen Einstieg in Afrika am Ende verpassen“, mahnt denn auch die KPMG. Der Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, Christoph Kannengießer, fügt dieser Kritik noch etwas hinzu und macht deutlich: „Der deutsche Mittelstand hat seine Chancen in Afrika aus Expertensicht noch zu wenig genutzt. Die Marktdynamik in Afrika wird deutlich zunehmen. Deutsche Unternehmen sind gut beraten, sich dort bald zu engagieren.“
Laut der Studie “Marktchancen in Afrika” würden bislang nur etwa zwei Prozent des deutschen Außenhandels mit Afrika abgewickelt, obwohl der Kontinent rund drei Prozent Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung habe.

In Afrika werden die Märkte der Zukunft erschlossen, egal ob es um Technik, Landwirtschaft, Konsumgüter oder andere Bereiche geht. Auf dem Weg dorthin wird man jedoch einen langen Atem und viel an Frustrationstoleranz brauchen. Dass derzeit 77 Prozent des Warenwerts in Afrika im Schnitt auf den Transport entfallen und Grenzabfertigungen mehr als 25 Stunden dauern können, ist etwas, womit man fürs Erste lernen muss, zu leben.