Eine Mann geht am 13.01.2009 an einer Gas-Pipeline im russischen Sudzha vorbei.

Der armenische Energieminister Armen Movsisian hat kürzlich angekündigt, die Gasimporte aus dem benachbarten Iran auf zwei Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu erhöhen. Das würde eine Erhöhung um rund 75 Prozent des gegenwärtigen Umfangs bedeuten. Als Gegenleistung soll Armenien Strom in den Iran exportieren, so eurasianet.org.

Diese Ankündigung stellt eine Zäsur in der bisherigen Energiepolitik dar. Armenien hat sich im Gegensatz zu anderen ehemaligen Sowjetrepubliken schon während der 90er-Jahre stark an Russland gebunden. Noch im vergangenen Jahr haben Offizielle im Jerewan ein iranisches Angebot über erhöhte Gasverkäufe in den Wind geschlagen. Gründe für die Wende waren von offizieller Seite nicht zu erfahren. Weitere Details werden wohl erst im Zuge des Treffens der zwischenstaatlichen Kommission beider Länder im Mai zu erfahren sein, wenn der iranische Präsident Hassan Rohani Armenien einen Besuch abstattet.

Interessant an der Geschichte ist vor allem die russische Reaktion auf die Annäherung der beiden Länder bzw. ein Fehlen derselben. Gazprom, der staatliche russische Energieriese, der das armenische Pipeline-System zu 100 Prozent kontrolliert und das Land zum größten Teil mit Gas versorgt, hat das Abkommen nicht einmal kommentiert.

Einige Beobachter nehmen an, dass Moskau beabsichtige, Armenien in die für 2015 geplante Zollunion mit Russland zu bewegen. Dieser Schritt ist in der armenischen Bevölkerung derzeit nicht populär. Mit dem Abnicken der erweiterten und günstigen Gaseinkäufe aus dem Iran wolle man wohl den Armeniern die Zollunion schmackhaft machen, hieß es weiter.

Andere Kommentatoren sehen das Schweigen Russlands eher durch eine veränderte geostrategischen Situation bedingt. Russland wolle wohl seine Karten in der Energiepolitik neu mischen, um seine diplomatischen Ziele zu erreichen. „Die Situation hat sich verändert und auch Russland muss sich in dieser Hinsicht erst neu positionieren“, sagte Manvel Sargsian, Direktor des Institutes für Nationale und Internationale Studien. „Die Vereinigten Staaten scheinen willens, mehr iranisches Öl auf dem Markt zu sehen, einerseits als Ergebnis aus den positiven Gesprächen mit dem Iran, andererseits um den Russen die Gewinne aus den hohen Ölpreisen zu versalzen“, sagte Richard Giragosian, Direktor des Zentrums für Regionalstudien.

Armenien im eisernen Griff der Preisspirale

Die Suche Armeniens nach günstigerem Erdgas aus dem Iran hat ihre Logik. Der Verbraucherpreis für russisches Erdgas ist für Armenien eine Bürde. Verbraucher zahlen gegenwärtig 158 000 Dram oder 391 $ auf 1000 Kubikmeter Erdgas. Eine Unsumme für ein Land, in dem ein Drittel der Bevölkerung in Armut lebt. Damit liegt der Preis mindestens 7,5-mal höher als beispielsweise in Weißrussland. Und die Preise könnten weiter steigen, wenn die angekündigte Preiserhöhung für russisches Erdgas um 4,2 Prozent ab dem 1. Juli 2014 umgesetzt wird.