Abdülhamit Bilici, bis vor kurzem Chefredakteur der Zeitung Zaman, fühlt sich eigenen Angaben zufolge von der Staatsmacht bedroht. Am Samstag wurde er von den staatlich eingesetzten Zwangsverwaltern seines Postens enthoben und sei nun besorgt, dass er abgehört und überwacht wird. Er befürchte, dass man Vorwürfe zu konstruieren versucht, um juristisch gegen ihn vorzugehen.

Bilici meldete sich über Twitter zu Wort und schrieb, dass die Kamera vor seinem Büro im Redaktionsgebäude der Zaman mit einem Stück Stoff verdeckt worden sei. Das lege nahe, dass etwas vertuscht werden soll: „Ich bin besorgt, dass nach der Übernahme der Zeitung in dem Gebäude der Zeitung etwas gemacht werden könnte. Am Tag nach der Übernahme sah ich, dass die Kamera über der Tür zu meinem Büro mit einem Stück Stoff verdeckt wurde.“ Auch bestehe die Gefahr, dass er überwacht wird: „Ich bin um die Sicherheit meiner Kommunikationsdaten und meiner Wohnung besorgt. Ich befürchte, dass sie es nicht dabei belassen, die Medien zum Schweigen zu bringen, sondern auch bestimmte Delikte herbeizaubern könnten.“

Die Angst vor der staatlichen Überwachung habe ihn gar dazu veranlasst, eine geplante Auslandsreise abzubrechen: „Als ich mich gestern auf den Weg machte, um nach Großbritannien zu fliegen und dort an einer Fernsehsendung der BBC teilzunehmen, habe ich gemerkt, dass ich verfolgt werde. Um nicht mit der Anschuldigung konfrontiert zu werden, dass ich geflüchtet sei, entschied ich mich, doch nicht ins Ausland zu reisen.“

Zaman war mit zuletzt 650.000 verkauften Exemplaren am Tag die auflagenstärkste Zeitung der Türkei. Vergangene Woche wurde sie einer staatlichen Zwangsverwaltung unterstellt und somit faktisch enteignet und verstaatlicht. Am späten Freitagabend letzter Woche wurde das Redaktionsgebäude der Zeitung in Istanbul von der Polizei unter Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gestürmt. Direkt nach der Übernahme wurde die Chefredaktion, darunter Abdülhamit Bilici, entlassen und die Zeitung auf Regierungslinie gebracht.