Die Universitätsprofessorin und Mehrfach-Aufsichtsrätin Ann-Kristin Achleitner beklagt im „Manager-Magazin“, dass deutsche Konzerne erschreckend selten in Start-ups investieren würden. Dies müsse sich schleunigst ändern – unter anderem, damit die deutschen Traditionsunternehmen mit der Digitalisierung Schritt halten können.

Die Idee, dass ein großes, auf dem Markt etabliertes Unternehmen, gar ein ansehnlicher Konzern, mit einem gerade frisch auf den Markt gekommenen Start-Up in Kooperation tritt und in dieses auch noch eigenes Geld investiert, ist in der Tat für viele gewöhnungsbedürftig.

Nicht nur für die Großen, die immerhin mit ihrem eigenen Geld oder dem ihrer Aktionäre ein schwer kalkulierbares Risiko eingehen. Auch für die Start Ups selbst, bei denen in einer solchen Situation eine Urangst zum Tragen kommt, wonach die Eigenständigkeit und unternehmerische Freiheit verloren gehen könnten – und man vielleicht sogar fürchten muss, zusammen mit der eigenen Innovation für ein Butterbrot aufgekauft zu werden.

Aber wenn diese Form der Kooperation wohlüberlegt ist und auf beiden Seiten mit der erforderlichen Ehrlichkeit – auch sich selbst gegenüber – an die Sache herangegangen wird, kann eine Win-Win-Situation für beide entstehen, die sowohl zum unternehmerischen Erfolg des Start-Ups als auch zu jenem des größeren Partners beiträgt und am Ende auch den Wirtschaftsstandort Deutschland als solchen stärkt.

Immerhin sind gerade auch etablierte Unternehmen auf innovative, motivierte und unternehmerisch denkende Mitarbeiter und Partner angewiesen, die auch Ideen und Visionen beisteuern können und so auch neue Perspektiven eröffnen können.

Neue Kunden auf der einen, neue Wege auf der anderen Seite

Innovationen sind ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für Unternehmen – und wer mit jungen, dynamischen Start-Ups kooperiert, kann von deren disruptiven Innovationen profitieren und von neuen Impulsen profitieren. Technologieintensive Unternehmen können aus Kooperationen mit jungen Unternehmen sogar künftige neue Partner in der Wertschöpfungskette gewinnen und einen weg in andere Branchen finden.

Die Start-Ups hingegen freuen sich darüber, dass ihnen bestimmte Dinge abgenommen werden, wie etwa die eigene Aufbringung erforderlicher Mittel für nötige Investitionen oder die Akquise von Kunden. Vor allem aber haben diese jungen Unternehmer zu Beginn ihrer Tätigkeit wenig Markterfahrung und Branchenexpertise. Wenn ein erfahrener, kapitalkräftiger Partner ihnen zur Seite steht, indem er sie in seine bereits bestehende Infrastruktur und seine Netzwerke einbindet, können sie vor folgenschweren Fehlentscheidungen bewahrt werden, die sich entscheidend auf ihre Marktsituation auswirken können. Außerdem erspart dies erheblichen Geld- und Zeitaufwand.

Es geht am Ende nur um die Wertmaximierung

Das hauptsächliche Interesse, das große, etablierte Unternehmen dazu treibt, kleinere Start-Ups unter ihre Fittiche zu nehmen, besteht jedoch nicht darin, sie als externe Forschungslabors mitlaufen zu lassen oder sie irgendwann mal als potenzielle Konkurrenz wegzukaufen, sondern in einem wesentlich profaneren Grund: Es geht schlicht und einfach um die Wertmaximierung des investierten Kapitals.

Start-Ups wollen ein gutes Produkt auf dem Markt etablieren, Reichweite erzielen, Folgeaufträge gerieren. Produktentwicklung und die Entwicklung von Traction stehen zu Beginn des Marktauftrittes im Vordergrund. Gelingt durch die Kooperation und die gemeinsame Anstrengung des Gründers und des Investors die Steigerung des Buchwerts, steht am Ende eine höhere Rendite für den Investor.