Griechische Kommunen werben um türkische Investitionen

Griechenland und Bulgarien leiden derzeit massiv unter den Folgen der Schuldenkrise und haben mit extrem hoher Arbeitslosigkeit, starker Abwanderung und wachsender Armut in der Bevölkerung zu kämpfen. Die Länder versuchen, dem für die noch verbliebene heimische Wirtschaft gefährlichen Trend der Abwanderung von Fachkräften entgegenzuwirken. Dabei scheinen ihre Erwartungen sich nicht nur an Brüssel und Straßburg zu richten. Die wirtschaftlich starke Türkei und speziell die Region Thrakien üben einen großen Reiz auf angrenzende griechische und bulgarische Kommunen aus.

Adem Dalgıç, Bürgermeister der in Thrakien gelegenen türkischen Hafenstadt Tekirdağ, der auch die sog. „Gemeinden-Union Ost-West-Thrakiens“ (Trakyakent) leitet, berichtete davon, dass lokale Behörden in Bulgarien und Griechenland ihn direkt um Hilfe gebeten hätten. Hauptanliegen der Behörden sei die Unterstützung bei der Anwerbung türkischer Unternehmer, die dann beispielsweise Fabriken in Bulgarien oder Griechenland errichten sollten. Durch die Steigerung der türkischen Investitionen würden sich die Gemeinden die Beschäftigung einheimische Arbeiter erhoffen, so Dalgıç.

„Darunter sind auch Gemeinden mit überwiegend türkischer Bevölkerung. (…) Die zuständigen Behörden in Thessaloniki, Kavala und Sofia wünschen sich die Schaffung türkischer Produktionsstätten in ihren Ländern. Einige Gemeinden sagen, sie könnten Anreize schaffen, einschließlich Landverteilung, um die türkischen Investoren anzulocken“, so der Bürgermeister.

Der Handel zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei wird immer wichtiger

Die jüngsten Daten des Statistischen Amtes der Europäischen Union, kurz EuroStat, zeichnen ein negatives Bild der Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Griechenland und Bulgarien. Die Zahl der Arbeitslosen erreichte in Griechenland einen neuen Höchststand, nachdem bereits im Oktober 2012 26,8 Prozent der Bevölkerung ohne Beschäftigung waren. Auch Bulgariens saisonbereinigte Arbeitslosenquote war mit 12,4 Prozent im November 2012 höher als der bei 11,8 Prozent liegende EU-Durchschnitt.

Eine weitere wichtige Entwicklung sei Dalgıç zufolge, dass mehr und mehr Menschen aus Bulgarien und Griechenland nach Wegen suchen, in den wirtschaftlich relativ stabilen europäischen Ländern wie Deutschland oder Frankreich zu arbeiten und daher oft abwandern. „Die Verantwortlichen in den betroffenen Ländern würden diese Arbeitsmigration gerne rückgängig machen. Einige dieser Arbeitsmigranten suchen außerdem auch in der Türkei Arbeit. Aber stattdessen könnten wir eine wichtige Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen in diesen beiden Ländern selbst spielen“, erklärte Dalgıç. Deutschland hatte im vergangenen Jahr durch die hohe Zuwandererzahl besonders aus von der Krise besonders gebeutelten süd- und osteuropäischen Ländern sogar ein Bevölkerungswachstum verzeichnet. In einem riesigen Industriegebiet in Tekirdağ stehen 1.500 Produktionsstätten und Fabriken, einige davon gehören zu weltweit führenden Wirtschaftsunternehmen.

„Die wachsende Rolle (Tekirdağs) als Produktionszentrum weitet auch das Handelswachstum mit Griechenland und Bulgarien aus, da täglich Waren nach Europa transportiert werden. Die Produktion (in der Türkei) ist billiger und immer mehr qualitativ hochwertige Produkte werden auf die andere Seite der Grenze gebracht.“