Luis Aragones gibt als Fenerbahce-Coach Roberto Carlos Anweisungen.

Spaniens Fußball trauert um Erfolgstrainer Luis Aragonés. Der Coach, der die spanische Nationalelf 2008 im Finale gegen Deutschland zum Gewinn der Europameisterschaft geführt hatte, ist am Samstagmorgen in einer Madrider Klinik im Alter von 75 Jahren gestorben. Wie seine Familie und sein früherer Verein Atlético Madrid bekanntgaben, erlag er einer nicht näher genannten Krankheit.

Mit dem Triumph bei der EM in Österreich und der Schweiz hatte Aragonés der Selección erstmals seit 44 Jahren zu einem bedeutenden internationalen Titel verholfen. Der Erfolg markierte zugleich den Beginn einer neuen Ära im spanischen Fußball. Das von Aragonés aufgebaute Team bildete den Grundstein für die Elf, die unter dem Nachfolger Vicente del Bosque den Weltfußball dominierte und 2010 die Welt- sowie 2012 erneut die Europameisterschaft gewann.

„Luis war eine Schlüsselfigur in der Geschichte des spanischen Sports“, würdigte Del Bosque seinen Vorgänger. „Er war es, der den Weg zur Erfolgs-Ära der Nationalelf eingeschlagen hatte.“ Der Vertrag von Aragonés war nach dem EM-Gewinn 2008 nicht verlängert worden. Später räumte der Trainer ein, dass er gerne im Amt geblieben wäre, wenn der spanische Verband (RFEF) ihn darum gebeten hätte.

Kein Erfolg in der Türkei

Im Anschluss an die EM wechselte der als schwierig geltende Coach in die Türkei zu Fenerbahçe Istanbul (Foto, mit Roberto Carlos), wo er allerdings die großen Erwartungen nicht erfüllen konnte und vorzeitig entlassen wurde. Dies war zugleich sein letzter Posten. Im Dezember 2013 erklärte er seine Trainerlaufbahn für beendet, nahm die Ankündigung aber wenig später zurück und sagte, ein attraktives Angebot würde er nicht ablehnen.

Der aus dem Madrider Stadtteil Hortaleza stammende Trainer hatte zuvor acht Vereinsmannschaften trainiert, darunter Atlético Madrid, den FC Barcelona, FC Valencia und FC Sevilla und in rund 700 Erstligaspielen auf der Bank gesessen. Aufgrund seiner reichen Erfahrung wurde er „El Sabio de Hortaleza“ (der weise Mann aus Hortaleza) genannt. Als Vereinstrainer wurde er einmal spanischer Meister und gewann viermal den Pokal.

Er gilt auch als der Erfinder von „La Roja“. Zwar hatte die Nationalelf seit Jahrzehnten in roten Trikots gespielt, aber niemand war auf die Idee gekommen, sie als „die Rote“ zu bezeichnen. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Kommunisten im spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) von der Gegenseite abfällig als die „Roten“ bezeichnet worden waren. Aragonés hielt vor der WM 2006 in Deutschland die Zeit für gekommen, die rote Farbe zum Markenzeichen des Nationalteams zu machen.

Aragonés zu Henry: „Scheißneger“

Zwei Jahre zuvor hatte er für einen Skandal gesorgt, als er im Training den Arsenal-Spieler Thierry Henry als „Scheißneger“ bezeichnete. Aragonés wurde Rassismus vorgehalten, er wies die Vorwürfe aber zurück und sagte, er habe damit lediglich seinen Stürmer José Antonio Reyes motivieren wollen.

Als Aktiver kam Aragonés auf drei Meistertitel sowie zwei Pokalerfolge, er spielte elfmal für die Nationalelf. Im legendären Europapokalfinale 1974 schoss er Atlético gegen Bayern München in der Verlängerung in Führung. Hans-Georg Schwarzenbeck erzielte mit einem Verzweiflungsschuss unmittelbar vor dem Abpfiff den Ausgleich.

„Beim Ansehen des Videos schalte ich jedes Mal ab, sobald Schwarzenbeck kommt“, berichtete Aragonés einmal. Das Wiederholungsspiel verloren die Madrilenen gegen Franz Beckenbauer & Co. mit 0:4. Kurz darauf trat der Stürmer seinen ersten Trainerjob bei Atlético an. „In meiner ersten Amtshandlung gab ich meinen Ex-Mitspielern die Anweisung, dass sie mich nun mit ‚Sie‘ anreden mussten“, erinnerte sich Aragonés. (dpa/dtj)