Für die Besorgten ist es eine reale Gefahr, für die Skeptiker hingegen eine willkommene Wundertüte für Politiker, an lukrativen Aufträgen interessierte Wissenschaftler und die Betreiber hoch subventionierter Projekte der Alternativenergie: Seit 1992 wird internationale Politik auf der Basis der Annahme eines angeblich „gefährlichen Klimawandels“ betrieben, für den vorwiegend anthropogene Ausstöße des natürlichen Spurengases CO2 verantwortlich sein sollen.

Durch politische Maßnahmen und die Begrenzung des Ausstoßes von CO2, dessen Gehalt in der Atmosphäre 0,038% beträgt, wobei die Hälfte davon auf vom Menschen gemachte Emissionen zurückzuführen ist, soll globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung begrenzt werden.

Der Weltklimarat, dessen Wissenschaftler fast einhellig die Entwicklung des Weltklimas auf menschengemachte CO2-Emissionen zurückführen, spricht davon, dass es ohne rasches Handeln eine Steigerung der globalen Mitteltemperatur um 3,7 bis 4,8 Grad Celsius bis zum Jahrhundertende geben werde. Dies gehe aus seinen Computermodellen hervor.

Erneuerbare Energien als deutsche Weltmarktchance

In den letzten 15 Jahren hatte es allerdings trotz stetig steigender CO2-Konzentration keine signifikante Veränderung der globalen Durchschnittstemperatur gegeben. Dies hat Skeptiker in ihrer Auffassung gestärkt, wonach die These von einer vorwiegend durch den Menschen herbeigeführten Erderwärmung eher eine Zweckhypothese darstelle, die es der Politik erleichtern soll, höhere Steuern oder weitreichende Eingriffe in die Wirtschaft und möglicherweise auch in die persönliche Freiheit zu rechtfertigen. Dass gerade Deutschland zu den aktivsten Verfechtern einer offensiven Klimapolitik zählt, könnte auch mit Überlegungen zusammenhängen, dass die Erneuerbaren Energien für die deutsche Industrie eine mögliche Weltmarktnische darstellen könnten, in der man sich als Weltmarktführer positionieren könnte – da Deutschland im Bereich der fossilen Energieträger auf dem Weltmarkt eher wenig an Bedeutung entfaltet.

Mit dem 20. Klimagipfel der Vereinten Nationen, der am 8. Dezember in Lima/Peru begonnen hatte, soll der internationale Verhandlungsprozess neu in Gang gebracht werden, nachdem 2009 in Kopenhagen ein Klimagipfel spektakulär gescheitert war, als entscheidende Staaten nicht bereit waren, sich auf verbindliche Ziele zu einigen.

Nun soll bereits im nächsten Jahr in Paris ein neues Klimaabkommen beschlossen werden, das alle Staaten zu Klimaschutz und zur Finanzierung der Anpassung an den Klimawandel verpflichten soll. Von einer „Verhinderung“ ist offenbar nicht mehr die Rede. In Lima sollte der Text erarbeitet werden, der die Grundlage für den Pariser Vertrag werden soll. Die entscheidenden Weichen für einen Erfolg in Paris sollen in der zweiten Woche gestellt werden, wenn die Umweltminister anreisen werden.

USA: Kongresswahlen stärken Klimaskeptiker

Länder wie Australien haben jedoch in den letzten Monaten eine deutliche Abkehr von aktiver Klimaschutzpolitik erkennen lassen. Darüber hinaus gilt eine Zustimmung der USA zu einem Abkommen mit weitreichenden, bindenden Verpflichtung als höchst unwahrscheinlich, da die tendenziell als klimaskeptisch geltenden Republikaner bei den Kongresswahlen im November 2014 in beiden Häusern deutliche Mehrheiten erringen konnten.

Der jüngste Bericht des Weltklimarates (IPCC) hat einmal mehr vor drastischen Klimafolgen gewarnt, sollte die Politik der führenden Industrieländer nicht umgehend Schritte setzen, die das Erreichen des Zweigradziels begünstigen sollen, das auf der Weltklimakonferenz 2010 formuliert wurde.

IPCC setzt auf mehr Atomkraft

Der nach den Worten des IPCC-Chefs Rajendra Pachauri „stärkste, verlässlichste und umfassendste” Abschlussbericht, den das IPCC je vorgelegt hat, unterstreiche, dass die Welt ist auf dem Weg zu einem „ungebremsten Emissionswachstum“ sei. Von Entkoppelung des wirtschaftlichen Wachstums und des Verbrauchs fossiler Brennstoffe könne nicht die Rede sein. Eine einfache Lösung könne es nicht geben.

Klimaschutzszenarien, die eine Erreichung des Zweigradziels ermöglichen sollen, würden, so der Bericht, nur Wachstumseinbußen beim globalen Konsum von durchschnittlich 0,06 Prozentpunkten bedeuten. Derzeit beträgt dieses Wachstum global im Schnitt zwischen 1,5 und drei Prozent. Kritiker betonen, dass gerade in vielen Schwellenländern eine Drosselung der Wachstumspolitik allerdings mit der Gefahr einer Rückkehr zur Verarmung der Bevölkerung verbunden wäre.

Um das Emissionswachstum zu begrenzen, müssten, so Pachauri weiter, jetzt auch Risikotechnologien wie die Kohlenstoffverbringung (CCS) und die Atomenergie zur Anwendung kommen. Ansonsten sei das Zweigradziel nicht mehr erreichbar, so das IPCC.

Nur Minimalkonsens in Lima erreicht

In einem Minimalkonsens haben sich 195 Staaten in einem Papier auf erste Grundpfeiler eines Weltklimavertrages geeinigt. Klimaschutzziele wurden nur vage formuliert, die zudem nicht verbindlich sind. Erst in einem Jahr wollen sich die Staaten in der Pariser Weltklimakonferenz verbindliche Ziele setzen. Das hat bei den Umweltschützern für Enttäuschung gesorgt. „Leider schreitet der Kimawandel viel schneller voran als die Politik. Die Verhandlungen der letzten Tage haben gezeigt, wie groß die Differenzen zwischen vielen Ländern noch sind und dass der Weg nach Paris sehr steinig sein wird,“ sagt Regine Günther, Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik des WWF Deutschland. „Die positive Klimaschutz-Dynamik ist in Lima festgefroren worden“, so Günther.