Schon vor Beginn des FIFA-Kongresses haben vor dem Hallenstadion von Zürich mehrere Dutzend Menschen für einen Ausschluss Israels aus dem Fußball-Weltverband demonstriert. Der palästinensische Verband hat für die Vollversammlung der 209 FIFA-Mitgliedsländer einen entsprechenden Antrag gestellt. „Ich will das Leid meines Volkes beenden. Ich bin für den Sport zuständig, ich mache keine Politik. Das Problem ist, dass die Rechte der Menschen in Palästina nicht anerkannt werden“, sagte der Chef von Palästinas Fußball-Verband, Jibril Al Rajoub, vor der Kongresshalle.

Die Palästinenser werfen den Israelis vor allem vor, Spieler in ihrer Bewegungsfreiheit und damit die Entwicklung des Fußballs in Palästina zu behindern. Darin sehen sie einen Verstoß gegen die FIFA-Statuten. Der israelische Verband agiere als verlängerter Arm der israelischen Regierung, meinte Rajoub. Aussicht auf Erfolg hat der Antrag nicht. Drei Viertel der FIFA-Mitglieder müssten sich ihm anschließen.

Israels Fußball-Verband (IFA) wies die palästinensischen Vorwürfe entschieden zurück. Man habe sich um effektive und konkrete Lösungen bemüht, sagte IFA-Sprecher Shlomi Barzel in einer Verbandsmitteilung. Solange es begründete Sicherheitsbedenken gebe, werde es keine Kompromisse geben.

Bereits zur Kongresseröffnung am Donnerstag hatten mehrere hundert Demonstranten vor dem Zürcher Hallenstadion protestiert. Weltverbandschef Joseph Blatter hatte bei einer Nahost-Reise in der vergangenen Woche noch ergebnislos versucht, den Konflikt zu lösen. Dabei traf er sich auch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Einigung in letzter Sekunde

Der palästinensische Fußball-Verband hat beim FIFA-Kongress kurz vor der Abstimmung seinen Antrag auf einen Ausschluss Israels aus dem Weltverband zurückgezogen. Stattdessen soll eine Kommission die Bewegungsfreiheit der Spieler in Palästina überwachen. Die FIFA-Mitgliedsverbände stimmten am Freitag in Zürich mit 165:18 Stimmen für einen entsprechend kurzfristig geänderten Antrag Palästinas. Nach einer mehr als halbstündigen und intensiven Diskussion reichten sich Palästinas Verbandspräsident Dschibril Radschub und sein israelischer Kollege Ofer Eini die Hand.

Die zusätzliche Forderung Palästinas, fünf israelischen Clubs in besetzten Gebieten das Bestreiten von Spielen zu verbieten, fiel unter den Tisch. „Es liegt an Israel zu helfen und etwas mehr mit Palästina zu teilen“, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter abschließend.

Die FIFA wird derzeit außerdem von einem schweren Korruptionsskandal erschüttert. (dtj/dpa)