Nachdem in den Jahren 2004 und 2006 die rechtsextremistische NPD in die Landtage von Dresden und Schwerin eingezogen war, hatten sich als Reaktion darauf Initiativen gebildet, die im Wege der Parodie deren Agitation ad absurdum führen sollte.

In Sachsen wurde – in Anspielung an den Namen des damaligen Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel – die „Front Deutscher Äpfel“ gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hatte, die „Überfremdung des deutschen Obstbestandes durch Aufpfropfen fremder Arten“ zu bekämpfen, die Grenzen für Südfrüchte zu schließen und für die „Beseitigung von faulem Fallobst“ einzutreten. Jahrelang begleitete die „Apfelfront“ als unerwünschter Gast die Auftritte von NPD-Politikern.

Ebenfalls zu einer bekannten  Größe der Satire gegen Rechtsextremismus wurde das Projekt „Storch Heinar“, das in Mecklenburg-Vorpommern von den Jusos und deren Projekt „Endstation Rechts“ ins Leben gerufen wurde. Unter Parolen wie „Hier marschiert der nationale Viehbestand“ wurde der Humor auch hier zur Waffe gegen neonazistische Umtriebe.

Angesichts der Aufmärsche der in hohem Maße von islamfeindlichen Kräften dominierten Initiativen der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA) haben nun auch einige Nutzer in sozialen Medien ihre eigene parodistische Gegenkampagne gestartet.

Passend zum jähen Wintereinbruch in Deutschland nannte sich die Initiative „Schneegida“ und ist unter anderem auf Twitter und Facebook vertreten.

„Aus aktuellem Anlass sehen wir uns gezwungen, eine gemeinsame Initiative gegen die Schneemassen aus aller Herren Länder zu starten“, heißt es im Gründungsstatement der Winterkritiker. „Wir haben genügend eigenen Schnee und sind weder bereit noch willens, weitere Schneemassen aufzunehmen. Ihr seid eingeladen an dieser virtuellen Demonstration teilzunehmen und Beiträge zu posten, aus denen unmissverständlich hervorgeht, dass wir mit der aktuellen Schneesituation bereits an der Grenze des Zumutbaren kratzen.“

Schneegida gegen die „Landschaftsburka“

Mit Schneegida wolle man ein Zeichen „gegen die Eislamisierung unseres Landes“ setzen. „Schnee liegt den ganzen Tag faul rum und bringt nix Produktives. Wir fahren ja auch nicht an den Nordpol und verteilen dort unseren Rasen“, argumentieren die Schneegida-Protagonisten.

Man habe nichts gegen Schnee, erklärte ein anderer Aktivist, „solange er sich an unser Klima anpasst und Regen ist“. Ein anderer erklärt, der meiste Schnee sei nicht mal sichtbar. „Er kommt meist als Regen getarnt in unser Land und entpuppt sich dann als Schläfer.“

Aus den Reihen der bislang mehr als 6000 Facebook-Likern von Schneegida wird darauf hingewiesen, dass der Schnee als „Landschaftsburka“ nicht nur „Elter 2 Erde“, sondern auch die Menschen des Abendlandes zur Verhüllung zwingt, was beweise, dass der Winter eine „mittelalterliche politische Ideologie“ wäre. Es wurde unter anderem gefordert, dass auch der Schnee sich an das Grundgesetz zu halten habe, wenn er in Deutschland liegenbleiben wolle. Außerdem berichtete man auf der Seite von Schneegida über erste Übergriffe auf Schneepersonen im Raum Köthen (Sachsen-Anhalt).

„Erste Erfolge im Kampf um unser Land“

Auf herzzerreißende Weise warnt ein Dresdener Schneegida-Aktivist vor Parallelgesellschaften: „Es schneit und schneit, völlig unkontrolliert und unsere Politiker tun nichts. Sicherlich gibt es Schneeflocken, die harmlos sind, aber wenn der Schnee sich in Deutschland ausbreitet, dann haben wir bald eine geschlossene Schneedecke. Schon jetzt kann man sich kaum noch auf die Straße trauen aus lauter Angst, dass einem was passieren könnte. Überall laufen schon finstere Gestalten herum mit grimmiger Miene, dicken Jacken und einer Kopfbedeckung. In einigen Gegenden kam es schon zu einem Wintereinbruch, wo unschuldige, rechtschaffende Bürger völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurden. Mancherorts wurden schon abendländische Errungenschaften wie Freibäder, Fußballstadien, Flughäfen oder ganze Straßen gesperrt. Wenn wir nichts unternehmen, dann wird es in unserer deutschen Heimat bald nur noch Winter geben. Dieser Schnee hat kein Recht, sich hier dauerhaft niederzulassen. Das wird man doch in diesem Land noch sagen dürfen!“

Unterdessen kann Schneegida „erste Erfolge im Kampf um unser Land“ vermelden. Es sei, auch und vor allem dank der #Schneegida-Bewegung, gelungen weite Teile des Landes zurückzuerobern. Die Wetterberichte kündigen mildere Tage an. „Deutschland ist weitestgehend wieder in deutscher Hand“.