Operation

Die türkische Armee hat die nordsyrische Grenzstadt Dscharablus eingenommen. Generalleutnant Zekai Aksakallı, der Befehlshaber der Operation „Schutzschild Euphrat“, ist in der Stadt eingetroffen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Alles läuft genau nach Plan. Dscharablus ist unter unserer Kontrolle, jetzt wird es gesäubert“, beteuerte der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık gegenüber dem Nachrichtensender NTV. Nach der Vertreibung der Terrormiliz Daesh (IS) aus der Stadt will die Türkei ihren Militäreinsatz in dem Bürgerkriegsland fortsetzen. Jetzt gehe es darum, die Kurdenmiliz YPG über den Euphrat zurückzudrängen, sagte Ministerpräsident Binali Yıldırım in einem TV-Interview. „Bis das verwirklicht ist, werden unsere Operationen weitergehen.“ Ankara will verhindern, dass die Kurden in Syrien ihr Herrschaftsgebiet weiter vergrößern und dort noch mehr Autonomie bekommen.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministers sind bei der Bodenoffensive bisher zwei syrische Kämpfer getötet worden. Zwei Angehörige der Freien Syrischen Armee (FSA) seien bei der Rückeroberung der Stadt Dscharablus verwundet worden, sagte Işık am Donnerstag. Türkische Verluste habe es keine gegeben. „Kein Angehöriger der türkischen Streitkräfte ist verwundet worden.“

Wie viele türkische Soldaten an dem Einsatz beteiligt sind, wollte der Minister nicht sagen. Die regierungsnahe türkische Zeitung Yeni Şafak schrieb am Donnerstag, annähernd 2000 Kämpfer der Freien Syrischen Armee nähmen an der Militäraktion teil. Sie stammten aus Idlip und Aleppo und seien seit der vergangenen Woche in aller Heimlichkeit in den türkischen Grenzort Karkamış gebracht worden, der Dscharablus gegenüberliegt.

Kurdische Einheiten ziehen sich hinter den Euphrat zurück

Die syrischen Kurden begannen nach unterschiedlichen Angaben mit einem Rückzug auf das Gebiet östlich der Euphrats. Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı (AA) meldete, US-Außenminister John Kerry habe seinem türkischen Kollegen Mevlüt Çavuşoğlu in einem Telefongespräch am Donnerstag versichert, die Verlegung sei im Gange. Der Sprecher der US-geführten internationalen Koalition twitterte, die von Kurden angeführten Demokratischen Kräfte Syriens hätten sich östlich des Euphrats zurückgezogen, um sich auf die Eroberung der syrischen IS-Hochburg Al-Rakka vorzubereiten. Details nannte er dabei nicht.

Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Teile der von den Kurden geführten Demokratischen Kräfte Syriens hätten sich östlich des Flusses zurückgezogen. Ein Sprecher der Kurden-Miliz YPG erklärte jedoch nach Angaben der kurdischen Nachrichtenagentur Fırat, es gebe keine Pläne zum Rückzug.

Die YPG ist in Syrien im Kampf gegen die Terrormiliz Daesh der wichtigste Partner der internationalen Koalition. Die Kurden haben vom IS im Norden Syriens mit Luftunterstützung der Koalition große Gebiete erobert und dort eine Selbstverwaltung ausgerufen. Zuletzt nahmen die Demokratischen Kräfte Syriens vom Daesh die Stadt Manbidsch ein, die westlich des Euphrats liegt. Zudem kontrollieren die Kurden den größten Teil der Grenze zur Türkei.

Die YPG ist eng mit der türkisch-kurdischen PKK verbunden, die von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisationen angesehen wird. Ankara will unter allen Umständen verhindern, dass an der türkischen Südgrenze ein zusammenhängendes Herrschaftsgebiet der Kurden entsteht.

Rückendeckung von den USA

„Unsere Abmachung mit den USA lautet, dass sich die Kurden aus Manbidsch und der Region auf die Ostseite des Euphrats zurückziehen müssen“, sagte Regierungschef Yıldırım. „Das ist die Zusage, die Garantie, die uns die USA gegeben haben.“

Auch US-Vizepräsident Joe Biden hatte die syrischen Kurden am Mittwoch bei einem Besuch in Ankara aufgefordert, sich östlich des Euphrats zurückzuziehen. „Wir unterstützen nachdrücklich, was das türkische Militär tut“, sagte er am Abend nach einem Treffen mit dem türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan.

Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter kam es in der Region um die Grenzstadt Dscharablus zu Scharmützeln zwischen Kurden und syrischen Rebellen. Diese hatten am Mittwoch zusammen mit türkischen Panzern die Grenze überquert und Dscharablus vom IS eingenommen. Es ist die erste türkische Bodenoffensive in Syrien seit Ausbruch der Bürgerkriegs vor mehr als fünf Jahren. (dpa/dtj)