04.02.2020, Türkei, Ankara: Mevlüt Cavuşoğlu, Außenminister der Türkei, spricht bei einer Pressekonferenz. Angesichts der Eskalation im Nordwesten Syriens hat der türkische Außenminister Russland dazu aufgerufen, die "Aggression" der Regierung in Damaskus zu stoppen. Foto: -/Pool Turkish Foreign Ministry/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Überraschung in Damaskus: Das syrische Parlament hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkriegs als Völkermord anerkannt. In einer Resolution kritisierten die Abgeordneten „alle Versuche, dieses Verbrechen zu leugnen und die historischen Fakten zu verfälschen“, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag meldete.

Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Das Gebiet des heutigen Syrien gehörte damals zum Osmanischen Reich.

Türkei gesteht Massaker, weist Völkermord aber zurück

Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches gesteht den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern während des Ersten Weltkrieges ein und bedauert die Massaker. Eine Einstufung als Völkermord weist sie jedoch strikt zurück.

Syrien erlebe derzeit eine „türkische Aggression“, die sich auf die „abscheuliche osmanische Gesinnung“ stütze, erklärte der Sprecher des syrischen Parlaments, Hammudah Sabbagh. „Wir erinnern uns mit aufrichtigem Schmerz an das abscheuliche Verbrechen, das die Vorfahren des (türkschen Präsidenten Recep Tayyip) Erdoğan begangen haben.“

Im Jahr 2016 hatte der Deutsche Bundestag die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich ebenfalls als Völkermord eingestuft. Im vergangenen Jahr verabschiedete auch der US-Kongress eine entsprechende Resolution. In beiden Fällen kam es zu schweren Spannungen mit der türkischen Regierung.

Tischtuch zwischen Ankara und Damaskus zerschnitten

Im syrischen Bürgerkrieg sind die Regierung in Damaskus und die Türkei miteinander verfeindet. Ankara unterstützt in dem Konflikt Rebellen und hat auch eigene Soldaten in dem Bürgerkriegsland. Zuletzt war es in der letzten großen Rebellenhochburg Idlib im Nordwesten Syriens zu schweren Spannungen zwischen türkischen Truppen und syrischen Regierungsanhängern gekommen.

In Syrien lebten vor Beginn des Bürgerkriegs nach Schätzungen bis zu 100 000 Armenier. Viele von ihnen sind Nachfahren Überlebender der Opfer des Massakers während des Ersten Weltkriegs.

In Syrien gibt es zwar Wahlen, sie werden aber von der autokratischen Führung in Damaskus gesteuert. Das Parlament gilt nur als Werkzeug der Machtelite um Präsident Baschar al-Assad. Das erklärte Ziel der Türkei war es zu Beginn des Bürgerkriegs, Assad alsbald wie möglich zu stürzen.

dpa/dtj