Der Sänger Teoman wird in den ersten Auftritten das Geld an seine Band überlassen. "Wir brauchen nicht meckern, unsere Kollegen sind in schwierige Situationen geraten", sagte er zuletzt in einem Interview. Foto: teoman.com

In der Türkei werden die Corona-Beschränkungen weiter gelockert. Doch die Musiker:innen stoßen an ihre Grenzen.

Ab 1. Juli würden die Ausgangsbeschränkungen, die zurzeit noch abends und sonntags gelten, vollständig aufgehoben, kündigte Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am Montag in Ankara an. Zudem würden Reisebeschränkungen entfallen.

Für Irritation sorgte Erdoğan mit einer Äußerung über das zurzeit bestehende Verbot von Musik ab 22 Uhr. Die Sperrstunde werde verschoben und gelte ab Mitternacht, sie werde aber nicht ganz aufgehoben, sagte der Präsident: „Nichts für ungut, niemand hat das Recht, jemanden nachts zu stören.“

Auf Twitter wurden daraufhin kritische Stimmen laut, aus deren Sicht Erdoğan damit zugegeben hatte, dass die Pandemie nur eine Ausrede für das Verbot sei. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Verbote ideologisch motiviert sind“, schrieb Oppositionsführer Kemal Kılıçdaroğlu auf Twitter. Einige Musizierende sangen als Kritik das von Erdoğan belibte Lied „Beraber yürüdük biz bu yollarda“ (deutsch: „Gemeinsam bestritten wir diesen Weg“).

Kein Alkohol

Während eines knapp dreiwöchigen Lockdowns im April und Mai hatte bereits für Unmut gesorgt, dass Supermärkte in der Zeit keinen Alkohol verkaufen durften und Spirituosenläden geschlossen blieben. Der Musiksektor in der Türkei ist durch die Pandemie stark getroffen. Vor wenigen Wochen forderten Musiker und andere Künstler mit einer Kampagne in den sozialen Medien eine Aufhebung der Beschränkungen für das kulturelle Leben.

Wie in vielen anderen Ländern sinkt auch in der Türkei die Zahl der täglichen Neuinfektionen. Am Montag wurden in dem Land mit rund 84 Millionen Einwohnern rund 5000 Ansteckungen verzeichnet. Knapp jeder Dritte im Land hat mindestens eine Impfung erhalten. In der Türkei werden die Vakzine von Biontech/Pfizer und des chinesischen Herstellers Sinovac verabreicht.

dpa/dtj