Türkische Sicherheitskräfte haben nach Angaben aus Regierungskreisen einen der mutmaßlichen Attentäter von Paris bereits im vergangenen Jahr als Terrorverdächtigen identifiziert. Die Türkei habe die französischen Behörden im vergangenen Dezember und erneut im Juni über den Verdächtigen Omar Ismaïl Mostefaï informiert, sagte ein hochrangiger Regierungsbeamter in Ankara am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir haben jedoch keine Rückmeldung von Frankreich in dieser Angelegenheit erhalten.“

Der Beamte sagte, Mostefaï sei 2013 in die Türkei eingereist. Es gebe keine Daten darüber, wann er das Land wieder verlassen habe. Am 10. Oktober 2014 habe die Türkei eine Anfrage der französischen Behörden zu vier Terrorverdächtigen erhalten. Bei den Ermittlungen sei Mostefaï als fünfter Verdächtiger identifiziert worden.

Dies sei nicht die Zeit für Anschuldigungen, sagte der Beamte weiter. Der Fall zeige aber, wie wichtig effektive Kommunikation und der Austausch nachrichtendienstlicher Informationen beim Kampf gegen den Terrorismus seien. „Die türkische Regierung erwartet in Zukunft eine engere Zusammenarbeit von ihren Verbündeten.“

Auch der Irak hatte Frankreich nach Angaben des irakischen Außenministers Ibrahim al-Dschafari vor Anschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewarnt. Den irakischen Geheimdiensten hätten Informationen über IS-Attentate in mehreren Ländern vorgelegen, sagte Al-Dschafari laut der irakischen Nachrichtenseite Al-Mada in Wien. Besonders gefährdet waren demnach neben Frankreich auch die USA und der Iran.

Laut dem Tagesspiegel sollen französische Behörden auch  Warnungen von der deutschen Polizei erhalten haben, nachdem diese vor etwas mehr als einer Woche in Bayern einen Mann verhaftet haben, der mit mehreren Waffen und Sprengstoff auf der Durchreise nach Frankreich war. Die Meldungen lassen schwere Versäumnisse der französischen Sicherheitsorgane befürchten.  (dpa/dtj)