Sedat Peker

Großeinsatz in Istanbul und weiteren Städten in der Türkei. Insgesamt 121 Adressen, darunter 74 Standorte in sieben Stadtteilen am Bosporus wurden nach Anhängern und Rekruten von Sedat Peker durchsucht. Mindestens 63 Personen wurden verhaftet, 43 allein in Istanbul.

Vor wenigen Monaten war er noch ein glühender Verteidiger des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Er trat regelmäßig in den Medien auf, postete via Social Media Hassbotschaften in Richtung Opposition. Seine Haltung pro Regierung wurde auch vonseiten der Partei des türkischen Präsidenten nicht zurückgewiesen. Doch das Blatt hat sich nun offenbar gewendet.

Heute wird diese Person gejagt. Es geht um keinen geringeren als um Sedat Peker. Der Mafia-Anführer ist bekanntlich auf der Flucht im Exil. Zunächst setzte sich der Mafiosi in Montenegro ab, anschließend reiste er weiter nach Nordmazedonien. Doch nachdem er von den dortigen Behörden verhaftet wurde, schob man ihn auf eigenen Wunsch in den Kosovo ab. Seitdem Peker die Türkei verlassen hat, reist er mit einem gefälschten nordmazedonischen Pass. Sein Name auf dem Fake-Pass: „Djadin Ademovski“.

Dutzende Festnahmen im Fall Sedat Peker

Seit seiner Entlassung aus der Haft durch die AKP-Regierung im Jahre 2014 galt Peker als einer der größten Unterstützer des türkischen Präsidenten. Er ging für ihn sogar mit Drohungen an die Öffentlichkeit. Phasenweise entwickelte sich Peker zum inoffiziellen Sprachrohr der AKP. Doch nun ist er vor der Partei seines Herzens auf der Flucht. Kurz vor seinem Exit aus der Türkei machte Peker seinen Streit mit dem damaligen Finanzminister Berat Albayrak, dem Schwiegersohn des türkischen Präsidenten, öffentlich.

In einer Videobotschaft aus seiner privaten Residenz ließ Peker wissen, dass Albayrak an seiner Verhaftung tüftele. Kurze Zeit darauf war Peker tatsächlich verschwunden, ehe er in Nordmazedonien wieder auftauchte. Während Peker Zeit hatte unterzutauchen, mussten nun seine Jünger dran glauben. Mindestens 63 Personen wurden verhaftet.

Peker hat seinen Thron verloren

Durch seine politische Positionierung auf Seiten der AKP hatte Sedat Peker einige glückliche Jahre in der Türkei. So wurde er 2017 bei einer Preisverleihung der Erdoğan-nahen Tageszeitung „Milliyet“ sogar als Geschäftsmann mit dem größten ehrenamtlichen Engagement ausgezeichnet. Peker ist ein mehrfach vorbestrafter türkischer Ultra-Nationalist. Ihm werden dutzende ungeklärte Morde zugeschrieben. So wundert es nicht, dass die Polizei bei den Razzien zahlreiche Waffen beschlagnahmen konnte. Doch seine Regentschaft in der Unterwelt der Türkei scheint nun ein Ende zu haben. Spätestens seit der Freilassung von Alaattin Çakıcı im vergangenen Jahr musste Peker seinen Thron räumen. Auch wenn Peker mehrfach betont hat, dass es keine Probleme zwischen ihm und Çakıcı gebe, liegt der Zusammenhang auf der Hand.