Die Doğuş Otomotiv ist auf dem türkischen Automarkt unverzichtbar. Das Unternehmen hat ein dichtes Netz an Verkaufsstellen und vertreibt 15 Automarken. Eigentlich wollte das Unternehmen seine Autos auch in den Nachbarländern vertreiben. Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Bugün zeigt sich Unternehmenschef Aclan Acar jedoch ernüchtert. Es gebe kein Nachbarland, an das sie Autos verkaufen könnten. Grund dafür seien die zahlreichen Probleme in der Region.

Für 100 Euro eingeführt, für 300 Euro verkauft

Die Verkaufszahlen für die ersten acht Monate des Jahres liegen inzwischen unter dem, was man noch im vergangenen Jahr während der ersten sechs Monaten erreicht hatte. Zurückzuführen ist das auch auf die hohen Steuern. Auf dem Automarkt sieht es so aus, dass, wenn Teile für 100 Euro in die Türkei eingeführt werden, diese beim Verkauf dann ohne weiteres auch 300 Euro kosten können.

Grund für die Verdreifachung in diesem Bereich ist die sogenannte Besondere Verbrauchssteuer (Özel Tüketim Vergisi – ÖTV). „Das merkwürdige ist, dass der Multimillionär ebenso viele Steuern zahlt wie ein Geringverdiener. Gerade für die Geringverdiener ergeben sich durch diese Steuer Schwierigkeiten. Bei der ÖTV gibt es Gerechtigkeitsprobleme“, betont Acar. Der Volkswagen-Konzern hatte das türkische Unternehmen mit dem Vertrieb seiner Produkte beauftragt. Inzwischen hat die Doğuş Otomotiv im nordirakischen Arbil ihre Geschäfte eingestellt.

Autoverkäufe in Europa gehen zurück

Auch in Europa sieht es nicht besser aus: In den Niederlanden und Spanien ist der Automarkt um 40 Prozent eingebrochen. Auch in anderen europäischen Länder gehen die Verkaufszahlen zurück. „Ohne hier die Lücken zu füllen, scheint es unwahrscheinlich, dass die europäischen Autobauer in einem anderen Land investieren“, zeigt sich Acar pessimistisch.

Auch Russland bereitet den Autokonzernen große Sorgen. Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer geht davon, dass hier aufgrund der Russland-Krise der Markt in den nächsten Monat um bis zu 20 Prozent einbrechen werde. Opel hat schon jetzt die Produktion in Russland gedrosselt.

Produktion von türkischem Auto unwahrscheinlich

Die Idee aus türkischen Regierungskreisen, einen eigenen türkischen Wagen zu produzieren, hält Acar für unrealistisch. „Die Türkei hat einen Markt für 850 000 Fahrzeuge. Ein Modell wird in der Türkei im Durchschnitt 20 000 Mal verkauft. Wir sollten daher dieses Thema detailliert besprechen. Dinge emotional zu sehen und auf dieser Basis zu investieren, ist nichts für Unternehmen“, warnt Acar.