Nach neuesten Erkenntnissen und Abmachungen könnte der internationale Börsenbetreiber NASDAQ OMX wichtiger Anteilseigner der neu gegründeten Börse Borsa Istanbul (BIST) werden.

Die Entscheidung der US Federal Reserve, den massiven Aufkauf von Schuldverschreibungen abzubremsen, und die syrische Krise vor der türkischen Grenze versetzten den Börsenplatz Istanbul in starke Turbulenzen. Alle 25 Unternehmen mit der höchsten Indexgewichtung erlitten im August die größten Verluste der letzten 10 Jahre.

Türkische Aktien, die im letzten Monat an der Istanbuler Börse (BIST) gehandelt wurden, verloren durchschnittlich um 9,6 % an Wert. Einen solch dramatischen Werteverlust sucht selbst unter den insgesamt angeschlagenen Schwellenländern und Entwicklungsländern derzeit seinesgleichen.

Zu erwähnen ist allerdings, dass die Türkei das Jahr 2013 sehr positiv begann. Die Börse Istanbul (BIST) wies in den ersten Monaten des Jahres eine der besten Kapitalverzinsungen bzw. Anlagerenditen der Welt auf. Doch der Glanz verblasste mit dem Aufkommen externer Schocks und dem Abzug ausländischer Investoren. Die letzten Ereignisse machten vor allem die signifikante Bedeutung ausländischer Investoren für den türkischen Markt deutlich. Ausländische Investoren halten derzeit 60 Prozent der Anteile am Finanzmarkt der Türkei.

Positive Vorgaben aus Asien und Europa

Am Montag konnte die Istanbuler Börse (BIST) wieder Punkte gut machten. Sie nahm um 3 % zu und erreichte zum Börsenschluss 68 283 Punkte. Die Zahlen machen aber deutlich, dass die momentanen Bewegungen nur kleine Korrekturen darstellen und den deutlichen Abstieg im Vergleich zum Monat Mai in absehbarer Zeit nicht mehr korrigieren werden. Im Mai hatte die Istanbuler Börse (BIST) noch ein Allzeithoch von 87 237 Punkten erreicht. Der Grund für die leichte Erholung der türkischen Börse war der Aufschub einer möglichen Militärintervention gegen das Regime in Syrien. Zudem trafen am Montag positiv gestimmte Wirtschaftsberichte aus China und Europa ein, die Istanbul und andere Märkte auf der Welt kurzzeitig beflügeln konnten.

Die momentane Abkühlung militärischer Spannungen im Nahen Osten brachte auch die Türkische Lira wieder auf Kurs. Sie gewann gegenüber dem US-Dollar um 1,3 % und stand damit nur noch bei 2,02 Lira je US-Dollar.

Im August taten sich Währungen von Schwellenländern noch außerordentlich schwer. Vor allem die Länder, die abhängig von einem schwachen Dollar sind, um ihr großes Handelsbilanzdefizit zu finanzieren, wie die Türkei und Indien, traf der Umschwung der Federal Reserve hart. Letzte Woche lag die seit längerem schwächelnde Türkische Lira noch auf einem Rekordhoch von 2,07 Lira gegenüber dem US-Dollar.

Im August distanzierten sich zunehmend Investoren von Schwellenländern, als die US-Zentralbank Federal Reserve bekannt gab, finanzwirtschaftliche Anreize in Zukunft zu reduzieren. Ein Ausverkauf türkischer Wertpapiere im August wurde flächendeckend auch von ähnlichen Ausverkäufen in anderen Schwellenländern begleitet. Eine so hohe Intensität wie die Türkei erreichte in diesem Zusammenhang aber keines der übrigen Schwellenländer.

So brachen die Börsen in Indien und Malaysia nur um jeweils 3,5 % und 2,5 % ein. Und obwohl der US-Markt die Wucht der Federal Reserve am stärksten abkriegt, verloren der Dow Jones und S&P 500 im August nur 4,4 % und 3,1 %. Der deutsche Leitindex, DAX, gab im August 2,1 % nach.

Borsa Istanbul (BIST) soll zum führenden Finanzzentrum werden

Im April fusionierte die Türkei auf ihrem Aktienmarkt die Istanbul Stock Exchange (IMKB) mit dem heimischen Goldhandel und Devisenhandel zu einer Börse, der so genannten Borsa Istanbul (BIST). Die Gründung einer einzigen großen Börse in Istanbul soll dazu beitragen, dass Istanbul zum wichtigsten Finanzzentrum Südosteuropas und des Nahen Ostens heranwachsen wird. Ein Abkommen mit der US-amerikanischen NASDAQ OMX Gruppe, die die BIST zukünftig mit den nötigen Technologien ausrüsten wird, wurde im Juni unterzeichnet.