Das Schengen-Visum verärgert immer mehr Türken. Im vergangenen Jahr wurden rund 813 000 kurzzeitige Visa-Anträge für den europäischen Raum gestellt. Dafür mussten die türkischen Staatsbürger insgesamt 48,8 Millionen Euro Gebühren bezahlen.

Derzeit gibt es Anstrengungen der Türkei, dem so genannten Schengen-Raum beizutreten. Nach Informationen des Institut für Wirtschaftlichen Aufschwung IKV (İktisadi Kalkınma Vakfı) muss die Türkei für eine Visafreiheit in den EU-Staaten 72 Kriterien erfüllen. Von diesen sollen vonseiten Ankaras 22 ganz oder größtenteils, 40 zum Teil und zehn noch gar nicht erfüllt worden sein.

Um die Kriterien für einen Beitritt zum Schengen-Raum vollständig zu erfüllen, müsse das Land aber noch einige entsprechende Reformen auf den Weg bringen, heißt es aus dem Institut. Diese Reformen würden zudem eine weitere Annäherung an eine EU-Mitgliedschaft bringen.

Mit einem Beitritt der Türkei in den Schengen-Raum würde auch eine einheitliche Regelung bezüglich des Umgangs mit Flüchtlingsströmen in den Bereich des Möglichen rücken. „Wie man sieht, sind die die Probleme der Türkei, die zwei Millionen Syrer aufgenommen hat und die der Europäischen Union, die den syrischen Flüchtlingen mit 3,6 Milliarden Euro hilft, was den Schutz ihrer Außengrenzen angeht, gleich. Deswegen ist es bei der Lösung gemeinsamer Probleme wichtig, eine gemeinsame Haltung einzunehmen“, wird Ahmet Ceran von der IKV in der „Milliyet“ zitiert.

Schengen soll Reisefreiheit und einheitliche Asylregelungen schaffen

Der Schengen-Raum ist ein Gebiet, in dem der freie Personenverkehr für Staatsangehörige der Schengener Mitgliedsstaaten möglich ist. 400 Millionen Europäern wird auf diese Weise unter anderem ermöglicht, sich frei bzw. mit ihrem Personalausweis innerhalb des Schengen-Gebietes fortzubewegen. Vor allem sollen aber durch das Schengen-Abkommen die Asylgesetze harmonisiert werden, um dadurch einheitliche Lösungen bezüglich der Flüchtlingsproblematik finden zu können. Der Schengen-Raum umfasst 22 EU-Mitgliedsstaaten und vier assoziierte Länder: Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein.