Eine Zementfabrik in der Nähe von Istanbul. Foto: Unsplash / Ümit Yıldırım

Wachstum trotz Pandemie: Im vergangenen Jahr trotzte die türkische Wirtschaft dem globalen Trend. Die Türkei gehört damit zu den wenigen Staaten, deren Wirtschaft im Pandemiejahr 2020 zulegte. Wie nachhaltig ist der Erfolg?

Badestrände und Hotels blieben leer, Produktionsstätten standen still und selbst die allseits beliebten „Esnaf“, Einzelhändler und Betreiber kleiner Restaurants und Suppenküchen, gerieten in die Krise: Das Pandemiejahr 2020 stürze die türkische Wirtschaft in die Rezession – so die Einschätzung vieler Experten. Doch weit gefehlt: Neue Wirtschaftsdaten bezeugen ein leichtes Anziehen der türkischen Ökonomie im vergangenen Jahr.

Damit hat die Türkei im Corona-Jahr 2020 als eines der wenigen Länder ein Wirtschaftswachstum hingelegt. Amtlichen Daten zufolge wuchs das Bruttoinlandsprodukt um 1,8 Prozent. Lediglich China (plus 2,3 Prozent) konnte ebenfalls eine wachsende Wirtschaft vorweisen. Alle anderen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern (G20) mussten ein Minus verbuchen.

Kreditboom und Lira-Verfall

Die Türkei verdankt ihr gutes Abschneiden einem Kreditboom. Staatliche Banken verdoppelten 2020 ihre Darlehensvergabe nahezu – besonders in der zweiten Jahreshälfte. Für die türkische Lira bedeutete das einen Wertverlust. Denn wegen der Politik des billigen Geldes fiel die Landeswährung auf immer neue Rekordtiefs.

Zwar wurde der Lira-Verfall mittlerweile gestoppt, nun hat die Türkei aber mit einem anderen Problem zu kämpfen: der Teuerung. Die Inflationsrate kletterte jüngst auf 15 Prozent. Die Folge: Lebensmittel werden teurer und besonders Kleinunternehmen stehen massenweise kurz vor dem Ruin.

Nachhaltiger Erfolg oder aufgeschobene Krise?

Wie nachhaltig ist also der Erfolg der türkischen Wirtschaft? En Detail lesen sich die Wirtschaftsdaten keinesfalls rosig. Zwar wuchs der Finanzsektor um mehr als 21 Prozent, Dienstleistungen, zu denen auch der systemrelevante Tourismussektor zählt, verbuchten indes ein Minus von 4,3 Prozent. Der Bausektor, zweites Zugpferd der türkischen Wirtschaft und erfolgreichster Wachstumsmotor der vergangenen Jahre, schrumpfte um 3,5 Prozent.

Dennoch rechnen Ökonomen mit einem Wachstum der türkischen Ökonomie von rund fünf Prozent. Diese Prognose und der steigende Lira-Kurs locken immer mehr Investoren, die an dem Aufschwung mitverdienen wollen, ins Land. Die Währung des Landes feiert ein Comeback bei Anlegern.

Dass die türkische Regierung im Jahr 2021 mindestens 30 Millionen Touristen im Land beherbergen möchte, ist ein gutes Zeichen für die Zukunft (DTJ-Online berichtete). Es bleiben aber viele Fragezeichen.