Ein Teilnehmer trägt am 05.01.2015 bei einer Anti-Pegida-Kundgebung in Hamburg ein Schild mit der Aufschrift «Kein Platz für Rassismus». Unter dem Motto «Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes» (Tegida) demonstrierten mehrere tausend Teilnehmer gegen die für den Abend erneut geplanten Demonstrationen der islamkritischen Pegida-Bewegung.

Die Düsseldorfer Rechtsanwältin Gülşen Çelebi bekommt den Dachau-Preis für Zivilcourage 2015. Damit bestätigte der Dachauer Stadtrat am vergangenen Dienstag den Vorschlag einer dreiköpfigen Jury. Mit dem Dachau-Preis für Zivilcourage
werden einzelne Personen oder Gruppen, „die sich mit Mut, Phantasie und Engagement für die Rechte von Verfolgten und von diskriminierten Minderheiten einsetzen“, geehrt. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 2007 alle zwei Jahre vergeben. Çelebi ist damit die fünfte Preisträgerin.

Dem DTJ gegenüber sprach Çelebi ihre Freude über die Auszeichnung aus, fügte aber hinzu, dass es für sie nicht ausschlaggebend sei, einen Preis zu bekommen. Viel wichtiger sei es, „was solch ein sybolmprächtiger Preis“ auslöse. Dieser Preis sage durch ihre Person: „Nein zum Faschismus und kein Raum für Nazis“, so Çelebi.

Von nicht kommt nichts: Beherztes Auftreten gegen Pegida

Die deutsch-kurdische Rechtsanwältin Gülşen Çelebi sorgte mit ihrer Aktion während der Pegida-Demonstrationen in Düsseldorf für bundesweites Aufsehen. So erstellte die 43-jährige Juristin mehrere Programme an Montagen, an denen Pegida-Anhänger unter anderem auf der Straße vor ihrer Kanzlei marschierten. Mit lauten Pfiffen, Musik, Schlägen auf Töpfen stahl sie mit ihren Freunden und Unterstützern den Demonstranten wiederholt die Show. Auch Comedy gab es auf dem kleinen Balkon von Çelebi zu hören. So trat mehrmals die bekannte Komikerin Şenay Duzcu auf und führte ein kleines Stand-Up gegen Nazis auf.

Aufgrund dieser Aktionen erhielt Çelebi auch schon Drohungen von Pegida-Anhängern. Einschüchtern lies sie sich trotzdem nie. Im Gegenteil: sie kämpfte auch auf juristischem Weg weiter. Insbesondere für die Laden- und Lokalbesitzer auf der Graf-Adolf-Straße setzte sie sich ein. Diese erlitten aufgrund der Straßenabsperrungen, bedingt durch die Pegida-Demos, große finanzielle Schäden.

Entschlossenheit schreckt Mitarbeiter des Ordnungsamts ab

Den Balkon als Austragungsort für ihre erfolgreiche Aktion gegen Rechts suchte sich Çelebi auch nicht unbedingt freiwillig aus. Die Polizei hätte sie hier nicht stören können, da dies ihr Privatbesitz ist und die Polizei ohne die Zustimmung Çelebis nicht rein konnte.
Selbst das Ordnungsamt habe versucht, sie „wegen Lärmbelästigung“ von ihrer Aktion abzuhalten. Ihre Entschlossenheit habe aber die Mitarbeiter des Amts abgeschreckt: „Ja, man muss schon mutig und manchmal auch lebensmüde sein, um Veränderungen zu bewirken“, glaubt Çelebi. Anscheinend sei sie es auch.

Es gäbe keine Alternative, als sich gegen Rechts zu stellen, sagt die Anwältin weiter. „Da solche Aktionen für mich nicht neu sind, werden sie immer einen Teil meines Lebens ausmachen. Natürlich auch auf anderen Plattformen.“ So setzt Çelebi sich unter anderem auch gegen die Diskriminierungen von Frauen und Kindern ein.

Dem rechten, menschenverachtenden Gedankengut würde die Anwältin durch Strafen entgegenwirken, „damit kein Mensch mehr Angst haben muss, in Deutschland zu leben.“