Fritz Kuhn übernimmt Oberbürgermeisteramt in Stuttgart

Stuttgart – Für Fritz Kuhn ist es eine Heimkehr: Er gehörte vor mehr als 32 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in Baden-Württemberg. Vor zwölf Jahren verließ der Grünen-Realo Stuttgart, um in der Bundespolitik mitzumischen. Kuhn war Parteichef der Bundes-Grünen und Fraktionschef im Bundestag. Im Bundestag war es zuletzt ruhig um den 1955 in Bad Mergentheim geborenen Germanisten geworden. Den Posten als Vize-Fraktionschef legte er im Frühjahr 2012 nieder, um sich auf die OB-Kandidatur konzentrieren können.

Von diesem Montag an beschließt der 57-Jährige seine politische Karriere in Stuttgart – und schreibt als erster grüner Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt Geschichte.

Kuhn war im Oktober zum ersten grünen OB einer Landeshauptstadt gewählt worden. Er löst den CDU-Politiker Wolfgang Schuster ab, der nach 16 Jahren im Amt nicht mehr zur OB-Wahl angetreten war. Kuhns Amtszeit beträgt acht Jahre.

40 Jahre lang war der OB-Posten in Stuttgart eine CDU-Bastion. Bereits Kuhns langjähriger Weggefährte Rezzo Schlauch wollte bereits 1996 den Chefsessel erobern – und lag damals nur knapp hinter seinem CDU-Konkurrenten Wolfgang Schuster. Kuhn und Schlauch galten damals als „Asterix“ und „Obelix“.

Aus Kuhn wurde später „Fischers Fritz“ – wegen seiner Nähe zum damaligen Außenminister Joschka Fischer. Kuhn gilt als Vordenker des Realo-Flügels seiner Partei. Zahlreiche Strategiepapiere hat er für sie verfasst. Auf die Frage, ob ein Intellektueller zum Stuttgarter OB-Posten passe, antwortete Kuhn vor einigen Monaten in einem Interview: „Wenn wir das Wort intellektuell einfach als Nachdenken verstehen, dann ist das eine urschwäbische Eigenschaft.“

Kuhn, der Philosophie und Germanistik in Tübingen und München studierte, gilt zwar als rhetorisch und intellektuell versiert, aber nicht unbedingt als volksnah. Kuhn versteht sich als Wertkonservativer. Seine Vision für Stuttgart ist eine Stadt, in der sich Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit verbinden. „Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben“, stand auf einem seiner Wahlplakate. Im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21 will er ausgleichend wirken, das Projekt selbst aber kritisch begleiten. (dpa)