Kinder stehen am 07.02.2014 in Hamburg im Stadtteil Altona vor einem ausgebrannten Mehrfamilienhaus, das als Flüchtlingsunterkunft diente. Eine Mutter und ihre zwei Jungen sind bei einem Brand in dem Haus ums Leben gekommen.

Die Hamburger Polizei ermittelt nach dem Brand in einem Flüchtlingswohnheim, der drei Menschen das Leben kostete, wegen Brandstiftung. Hinweise auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund gibt es bislang nicht, jedoch könne ein rassistisches Motiv nicht prinzipiell ausgeschlossen werden, sagte eine Sprecherin der Hansestadt.

Im Eingangsbereich des Altonaer Hauses war nach bisherigem Erkenntnisstand ein Kinderwagen in Brand geraten. Vermutlich über einen Stromverteilerkasten, möglicherweise gar durch eine Explosion, brannte in kürzester Zeit der gesamte Flur des Hauses. Eine Frau aus Pakistan und ihre beiden sechs und sieben Jahre alten Kinder kamen dabei am Mittwochabend ums Leben. Weitere 27 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Zeugen berichten, Brandstifter gesehen zu haben

Offenbar ist die Hamburger Polizei den Tätern bereits auf der Spur: Der NDR erfuhr aus Polizeikreisen, dass Anwohner den Brandstifter während der Tat beobachtet haben wollen. Diese und weitere Aussagen werden derzeit geprüft.

Die Hamburger nehmen Anteil an der Tragödie von Altona. Am Donnerstagabend versammelten sich rund 300 Menschen in der Eimsbütteler Straße vor dem ausgebrannten Haus und gedachten der Toten. Am Freitagnachmittag waren wieder viele Trauernde vor Ort. Viele Hamburger legten Blumen und Kränze vor dem Haus nieder und zündeten Kerzen an.

Angriffe auf Flüchtlingsheime sind kein Einzelfall. Die vorläufige Statistik für das Jahr 2013 zeigt dabei einen besorgniserregenden Trend auf. Im vergangenen Jahr verdoppelten sich die Angriffe auf Asylbewerberheime und Flüchtlingsunterkünfte. Die Linkspartei warf der Bundesregierung vor, die „Systematik bei der Mobilisierung gegen Flüchtlingsunterkünfte“ zu verkennen.

Erinnerungen werden wach

Brennende Asylbewerberheime und Ausschreitungen gegen Ausländer hatte es in Deutschland schon einmal gegeben. Schreckliche Erinnerungen vom Beginn der Neunzigerjahre werden wach und sofort tauchen Städtenamen auf: Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Solingen und Mölln.

In Hoyerswerda begann eines der schrecklichsten Kapitel der jüngsten Geschichte der vereinigten Bundesrepublik: Acht Rechtsradikale griffen auf dem Markt der Kleinstadt vietnamesische Gemüsehändler an und verfolgten sie bis ins Wohnheim. Molotow-Cocktails und Steine fliegen, während die Polizei zuschaut und Anwohner den Neonazis applaudieren.

Am Ende blieb den Sicherheitskräften nichts anderes übrig, als die 60 Vertragsarbeiter aus dem Haus zu eskortieren. Der Hass hatte gesiegt. Die Bilder des rechten Mobs haben sich tief in das kollektive Gedächtnis der Deutschen festgesetzt. Das beschauliche Hoyerswerda nahe der polnischen Grenze ist zum Inbegriff der rechten Gewalt geworden.

Hoyerswerda versucht den Neustart

Nun versucht die Kleinstadt einen Neustart. Wegen des Anstiegs der Asylbewerberzahlen und der Verpflichtung der Länder, einen Teil dieser aufzunehmen, beschloss der Landkreis Bautzen im vergangenen Jahr eine ehemalige Förderschule in Hoyerswerda zu einer Unterkunft für Flüchtlinge umzubauen. Eine Bewährungsprobe für die Stadt mit dem schwierigen Erbe.

Seit Mitte Januar leben wieder Flüchtlinge in Hoyerswerda. „1991 soll sich nicht wiederholen“, beteuert Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU). In der Einrichtung des Flüchtlingsheims erkenne er vielmehr eine Chance, das Stigma der Wendejahre abzuschütteln.

Bürgermeister: „Ich habe ein bisschen Restangst“

Bislang habe es keine Probleme gegeben. Alles sei friedlich. Ein Bürgerforum und ein Tag der offenen Tür sollte den Bürgern die Unterkunft näherbringen. Bei Problemen vermittelt eine eigens eingerichtete Hotline. Ein Begegnungstreffen der Bewohner des Heims und der Anwohner soll Berührungsängsten entgegenwirken.

Skora erkennt in der Einrichtung des Flüchtlingsheims eine Chance und zeigt sich vorsichtig optimistisch: Hoyerswerda könne das Stigma der Wendejahre abschütteln und beweisen, dass sich seitdem einiges geändert habe. Doch Skora weiß, dass die rechten Ressentiments im Osten Sachsens nicht verschwunden sind. Er gibt zu: „Ja, ich habe ein bisschen Restangst.“

Neonazis zu Bewährungsstrafen verurteilt

Denn in Hoyerswerda ist weiterhin eine rechte Szene aktiv, die gegen Andersdenkende und Ausländer vorgeht. Rechtsradikale versuchten im vergangenen Jahr die Wohnung eines Paares zu stürmen, dass sich offen gegen Rassismus aussprach und den Neonazis des Ortes entgegenstellte.

Die Täter wurden gefasst und verurteilt. Allerdings lediglich zu Bewährungsstrafen. Um ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen, reicht das nicht aus. Es scheint als sei die Zeit stehen geblieben. Neonazis bleiben ein Problem der Kleinstadt.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Bevölkerung von Hoyerswerda dazu gelernt hat und im Ernstfall gegen rechte Gewalt vorgeht. Ein zweites 1991 kann sich die Stadt nicht leisten.