Wie bereits in den ersten beiden Blogbeiträgen geht es mir auch dieses Mal um fast vergessene Angelegenheiten im Leben der Nachfolger des Propheten, vor allem der vier rechtgeleiteten Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali, die erwähnenswert sind. Aussprüche des Propheten wie, „Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nützlichsten ist“ und „Solange ihr nicht wahrhaftig glaubt, kommt ihr nicht ins Paradies, und solange ihr euch nicht gegenseitig liebt, glaubt ihr nicht wahrhaftig“ sorgten für Orientierung der Kalifen im Hinblick auf den Umgang mit Nicht-Muslimen.

Wusstet ihr, dass…

– Kalif Umar, als er Jerusalem eroberte, folgendes versprach: „Dies ist die Versprechung der Sicherheit an das Volk von Jerusalem. Ich garantiere hiermit, selbst wenn ich krank bin, dem ganzen Volk den Schutz des Lebens und Vermögens. Zugleich versichere ich die Religionsausübung und die Religionsfreiheit, sowie den Schutz der religiösen Symbole und der religiösen Gebetsstätte. Die Rechte, die ihr vor der Eroberung hattet, werden ihr auch weiterhin haben und ihr werdet von niemandem unterdrückt. Jeder hier soll dies bezeugen.“

– man Umar, als er nach Jerusalem kam, um den Schlüssel der Kirche abzuholen, die Kirche zum Beten anbot, er aber dies ablehnte, aus Sorge, die Muslime könnten die Kirche in eine Moschee umwandeln, da er darin gebetet hat? Er entschied sich deshalb für einen Platz gegenüber der Kirche, auf dem später eine Moschee gebaut wurde, die bis heute noch für den Gottesdienst offen steht.

– Umar eine Moschee niederreißen ließ, die auf dem Grundstück eines Juden unerlaubt errichtet wurde?

– Umar zu seinem Beratungsgremium immer wieder erfahrene Juden und Christen einlud?

– Umar sehr viele alte, kranke und bedürftige Juden und Christen mit dem Geld aus der Staatskasse versorgte?

– Umar den Christen und Juden, die in den eroberten Gebieten lebten, weiterhin versicherte, dass sie ihren Gottesdienst durchführen können und ihre Gebetsstätten nicht abgerissen werden?

– Umar dem Papst garantierte, dass sich kein Muslim in die christlichen Angelegenheiten einmischen werde?

– dass Umar nach der Eroberung Jerusalems den dort ansässigen Christen und Juden die Freiheit, Sicherheit und Frieden gewährte (Umariyya-Vetrag)?

– Umar den Prophetengefährten Amr bin As auspeitschen ließ, weil er ungerecht einen Kopten auspeitschte und sagte: „ Oh Amr! Mit welchem Recht versuchst du ein Volk, welches frei geboren wird, zu versklaven?“

– Umar, als er einen veralteten und bettelnden Christen sah, folgendes sagte: „Es ist nicht in Ordnung, dass wir in deiner Jugend von dir Steuern eintreiben und später uns von dir abwenden“ und befahl daraufhin, alle Christen und Juden unter islamischer Herrschaft, die in einem ähnlichem Zustand sind, eine Rente zu zahlen und riet die Rechte der Christen und Juden zu schützen und sie in Ihre Obhut zu nehmen.

– der dritte Kalif Uthman sich persönlich für die Renovierung einer Kirche einsetzte und diese auch im Nachhinein kontrollierte?

– der vierte Kalif Ali sagte: „Unter den Menschen sind Muslime unsere Geschwister in der Religion und Nicht-Muslime Geschwister in der Menschheit“?

– Ali sich selbst verpflichtete, Juden und Christen vor Übel und Leid vonseiten der Menschen zu bewahren?

– Ali, genau wie seine Vorgänger, vom Propheten Muhammad bis zum dritten Kalifen Uthman, seinen Untertanen verbot, Gebetsstätten und Häuser der Nicht-Muslime zu zerstören und für den Bau einer Moschee Gebäude und Klöster niederzureißen?

Wir sollten uns die Frage stellen, inwieweit wir den Koran, die Sunna oder die Nachfolger des Propheten, sprich die wichtigsten und vorbildlichsten Personen des Islam in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und den interreligiösen Dialog als Vorbild nehmen. Nicht das, was Muslime von sich geben, ist „der Islam“. Wir müssen uns mehr mit den Quellen aus der Frühzeit befassen.